3D-Technik
Avatare machen Models Konkurrenz

Mehrmaliges Umschneidern gehört für Modedesigner zur Normalität. Doch mit derart zeitaufwendiger Feinarbeit könnte bald Schluss sein – denn Avatare sollen künftig den Job übernehmen, für den sonst Models oder Kleiderpuppen herhalten müssen. Mit neuer 3D-Technik schneidern Modedesigner Bekleidung passgenau auf die Körper der Kunden zu.

BERLIN. „Änderungen am Schnittmuster und immer wieder neues Umnähen lässt sich inzwischen gut am Computer erledigen“, sagt Jörn Kohlhammer, Abteilungsleiter Echtzeitlösungen für Simulation und Visual Analytics am Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD). „Virtuelles Prototyping wird für die Bekleidungsindustrie zunehmend ein Thema.“

Die Technik hat längst das Entwicklungsstadium hinter sich gelassen. Moderne Software kann zweidimensionale Schnittvorlagen in 3D-Entwürfe umsetzen, an denen Designer selbst Details wie Schatten- und Faltenwurf erkennen können. Das IGD hat in dem vom Bund geförderten Verbundprojekt „Virtual Try On“ nun eine Software entwickelt, die mit den mittels eines 3D-Körperscans gewonnenen Maßen für passgenaue Schnittteile sorgt, diese virtuell vernäht und anschließend an einem Avatar darstellt.

Ein weiterer Vorteil: Am Rechner können Kunden und Designer genau verfolgen, wie Bewegungen sich auf die Kleidung auswirken – wie beispielsweise ein Sakko fällt, wenn jemand am Ärmel zupft. Möglich machen dies Fortschritte in der Computertechnik. „Neuartige Algorithmen berechnen Änderungen in Echtzeit“, sagt Kohlhammer. Dabei beziehe der Computer allerdings nur wichtige Daten mit ein, um die Berechnung nicht zu komplex werden zu lassen.

Designer müssen aus diesem Grund zwar Abstriche bei der graphischen Darstellung machen. Allerdings gibt dies dem Programm eine größere Flexibilität. Sogar die Art des Stoffs wirkt sich dabei auf die Darstellung aus – denn schließlich fällt derber Denim anders als reine Seide.

Ein „Stretch-Modus“ gibt zudem farblich wieder, wo der Stoff besonders spannt, damit der Schneider am Computer noch einmal nachbessern kann. Die Software wird nun von der Firma Assyst unter dem Namen „Vidya“ vertrieben. Das Unternehmen will die Lösung an Bekleidungshersteller und große Modehäuser verkaufen. IGD-Experte Kohlhammer kann sich zudem vorstellen, dass Inhaber von Modegeschäften den Kunden bald im Laden ihre neue Garderobe direkt auf den Leib zuschneidern werden.

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