40 Jahre Patentübereinkommen

Das Europäische Patentamt feiert sich

Mit der Eröffnung der „Hall of Fame“ des Erfinderpreises feiert das Europäische Patentamt den 40. Jahrestag des Patentübereinkommens. Die Anmeldungen haben sich seitdem stark verändert – vor allem inhaltlich.
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EPA-Präsident Benoit Battistelli (l.) und Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museum: Die „Hall of Fame“ des Europäischen Erfinderpreises wurde am Donnerstag eröffnet.

EPA-Präsident Benoit Battistelli (l.) und Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museum: Die „Hall of Fame“ des Europäischen Erfinderpreises wurde am Donnerstag eröffnet.

MünchenEinheitlicher, einfacher und billiger sollte der Ideenschutz in Europa werden. Das war das Ziel, als vor 40 Jahren das Europäische Patentübereinkommen (EPÜ) unterzeichnet wurde. Zum Jubiläum zog der Präsident des Europäischen Patentamts (EPA), Benoit Battistelli, am Donnerstag in München eine positive Bilanz.

"Nach 40 Jahren ist offenkundig, dass das EPÜ nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch aus politischer Perspektive einem großen Erfolg den Weg geebnet hat", sagte Battistelli am Rande der Feierlichkeiten zur Eröffnung der "Hall of Fame" des Europäischen Erfinderpreises, die das EPA in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Museum in München präsentiert. Die Ausstellung ehrt sieben herausragende Erfinder, die in den vergangenen Jahren mit dem vom EPA ausgelobten Erfinderpreis ausgezeichnet worden waren.

Eine Hall of Fame für den Erfindungsgeist
EUROPAEISCHES PATENTAMT
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Vor 40 Jahren, am 5. Oktober 1973, unterzeichneten Repräsentanten von sechzehn europäischen Staaten das Europäische Patentübereinkommen (EPÜ) und schufen so die rechtliche Grundlage für ein einheitliches europäisches Patentverfahren. Zur Feier des EPÜ-Jubiläums ehrt das Europäische Patentamt in München herausragende Erfinder in einer Hall of Fame.

Die Wanderausstellung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Museum öffnet am heutigen Donnerstag ihre Pforten. Handelsblatt Online stellt die die Köpfe hinter den herausragenden Innovationen vor.

Erfinder Hall of Fame
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Josef Bille: Augenlasertherapie

Der 1944 im westfälischen Neuenkirchen geborene Physiker gilt als Vater der Augenlasertherapie. Mit dem von ihm entwickelte LASIK-Verfahren (Laser-in-situ-Keratomileusis) können heute Kurz- und Weitsichtigkeit sowie Hornhautverkrümmungen korrigiert werden. Für diese Leistung wurde Bille 2012 mit dem Europäischen Erfinderpreis in der Kategorie Lebenswerk ausgezeichnet.

Erfinder Hall of Fame
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Fast 100 Patente hat Josef Bille angemeldet. Auch als Unternehmensgründer tat sich der Physiker hervor: Die fünf von ihm zur Vermarktung seiner Ideen gegründeten Firmen erwirtschaften heute rund 300 Millionen Euro Jahresumsatz. Neben dem Europäischen Erfinderpreis wurde Bille auch mit dem Deutschen Zukunftspreis geehrt.

Erfinder Hall of Fame
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Jason Chin: Synthetische Biologie

Der britische Forscher entwickelte gemeinsam mit seinem australischen Kollegen Oliver Rackham einen Weg, unnatürliche Aminosäuren in Proteine einzubauen. Auf diese Weise ermöglichten sie Molekularbiologen, die Funktionen der Proteine in Zellen mit noch nie dagewesener Präzision zu kontrollieren und sichtbar zu machen.

Erfinder Hall of Fame
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Für ihr innovatives Verfahren wurden Chin und Rackham mit dem Europäischen Erfinderpreis 2012 in der Kategorie Forschung ausgezeichnet.

Erfinder Hall of Fame
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Ann Lambrechts: Smarte Armierung von Beton

Die Erfindung der Belgierin Ann Lambrechts, Beton mit Stahldrahtelementen zu mischen, macht Gebäude und Bauten möglich, die noch vor wenigen Jahren nur in der Phantasie kreativer Architekten existieren konnten. Dazu gehören spektakuläre Hochbauten wie die Hauptverwaltung des chinesischen Staatsfernsehens CCTV in Peking ebenso wie die filigranen Strukturen der zentralen Bauwerke des Oceanogràfic in Valencia. Und beim Gotthard-Basistunnel wird der sogenannte Stahlfaserbeton ebenso eingesetzt wie im Eurostar-Tunnel zwischen dem Kontinent und Großbritannien.

Erfinder Hall of Fame
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Ann Lambrechts hat mit ihrer Erfindung einen kleinen Boom ausgelöst. Nicht nur, dass Bekaert –  das Unternehmen, für das sie arbeitet –  inzwischen weltweit Marktführer ist, auch die Zahl weiterer Entwicklungen, Erfindungen und Patentanmeldungen ist im Bereich Betonarmierung sprunghaft angestiegen. Das Europäische Patentamt ehrte die Leistung der Belgierin mit der Verleihung des Europäischen Erfinderpreises 2011 in der Kategorie Industrie.

Die von zunächst sieben Gründungsstaaten errichtete Europäische Patentorganisation ist mittlerweile auf 38 Mitgliedsstaaten angewachsen, darunter alle Mitgliedsstaaten der EU. Landeten anfangs etwa 4000 Patentanmeldungen pro Jahr auf den Tischen der Patentprüfer, waren es im vergangenen Jahr rund 260.000. Etwa 20 Prozent der Patente kommen aus Deutschland. "Gerade für die deutsche Wirtschaft hat das Europäische Patentamt eine besondere Bedeutung", betont denn auch Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie.

Inhaltlich haben sich die Patentanmeldungen im Laufe der 40 Jahre verändert. Anfangs spielten vor allem die Chemie, Fotografie sowie das Packen, Lagern und Fördern von Gütern die größte Rolle bei den Patentanmeldungen. „Und dann ganz plötzlich kam die digitale Revolution“, sagt Epa-Sprecher Rainer Osterwalder. Im vergangen Jahr seien die Anmeldungen in diesem Bereich am stärksten gewachsen. Das klassische Ingenieurwesen rücke dadurch immer mehr in den Hintergrund.

Große Konzerne haben die Oberhand
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