Absturz von Spaceship Two
Der Milliardärsritt auf der „potenziellen Bombe“

Das Spaceship Two sollte Touristen an den Rand des Weltalls transportieren. Der Traum von Unternehmer Richard Branson droht nach einem Absturz bei einem Testflug zu zerplatzen. Nicht nur sein Vorhaben könnte scheitern.
  • 0

San FranciscoRichard Branson ist alt geworden. Mit versteinerten Gesichtszügen, übernächtigt vom Flug nach Kalifornien und sichtlich angespannt, trat der Unternehmer aus Großbritannien am Samstag vor die Presse auf dem Raumflughafen „Mojave Air and Space Port“. Die Schicksalsfrage kam ganz zum Schluss der kurzen und bewegten Ansprache zum Absturz seines Raumschiffs am Freitag und zum Tod eines seiner Testpiloten: Ob er weiterhin persönlich beim ersten kommerziellen Flug von „Spaceship Two“ an Bord sein werde, ruft ihm ein Journalist zu. Der Milliardär, der schon bei diversen Hochsee-Abenteuern sein Leben riskiert hat, zögert kurz, dann nickt er erschöpft.

Eigentlich wollte der 64-Jährige schon längst im All gewesen sein. Aber die Aufnahme der kommerziellen Raumfahrt mit Passagieren musste immer wieder verschoben werden. Jetzt liegt sein einziges flugfähiges Raumschiff, das ihn eigentlich zusammen mit fünf anderen Passagieren Anfang 2015 in All schicken sollte, zerschellt im Wüstensand.

Ob er und rund 700 zahlende Kunden, die bereits je 250.000 Dollar für einen kurzen Ausflug in den Weltall mit Bransons Firma Virgin Galatic auf den Tisch gelegt haben, jemals abheben werden, hängt jetzt von Christopher Hart und seinem 15-köpfigen Team ab. Seine Behörde, das National Transportation Safety Board (NTSB), kümmert sich sonst um Autounfälle, entgleiste Züge oder abgestürzte Flugzeuge. Jetzt muss er zum ersten Mal einen Unfall mit Todesfolge in der bemannten kommerziellen Raumfahrt untersuchen. Er sagte in einer ersten Einschätzung: „Wenn die Wrackteile so zerstreut sind wie diese hier, weist dies auf die Wahrscheinlichkeit eines Zerbrechens während des Fluges hin.“

Was er herausfinden und empfehlen wird, wird massiven Einfluss auf die private Raumfahrtindustrie der USA haben. Sie schien zuletzt auf der Sonnenseite zu stehen und urplötzlich ist sie in der Existenz bedroht. Nach ersten Erkenntnissen, so Hart, sei das Raumschiff in der Luft auseinandergebrochen. Es seien wahrscheinlich Aufnahmen von sechs Onborad-Kameras verfügbar, ein Video von der Edward Air Base und eines von einem Verfolgerflugzeug der Spaceship Two. Es könne „bis zu einem Jahr“ dauern, bis die Ermittlungen abgeschlossen seien. Treibstofftanks und wichtige andere Teile seien sichergestellt worden.

Damit dürften alle bisherigen Zeitpläne für Virgin Galactic reine Makulatur sein. Branson jedenfalls ist realistisch und vorsichtig in der Beurteilung der Zukunft: „Wir kennen die Risiken und werden nicht blind voranstürmen“, verspricht er. Man werde herausfinden, was schief gegangen sei und wenn man diese Probleme beseitigen könne, werde man weitermachen. „Wir würden gerne beenden, was wir vor Jahren angefangen haben“, sagt er ruhig, beinahe bittend.

Kommentare zu " Absturz von Spaceship Two: Der Milliardärsritt auf der „potenziellen Bombe“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%