Ändert der Strom seinen Lauf? Mississippi auf Abwegen

Der Mississippi ist Nordamerikas mächtigster Strom und eine der wichtigsten Handelsrouten der USA. Doch der Fluss läuft mit Sedimenten voll und das könnte seinen Lauf ändern – mit drastischen Folgen.
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Der Fluss läuft mit Sedimenten voll und das könnte seinen Lauf ändern. (Foto: dpa)
Mississippi in der Abenddämmerung

Der Fluss läuft mit Sedimenten voll und das könnte seinen Lauf ändern. (Foto: dpa)

HeidelbergDer Mississippi ist eine der zentralen Lebensadern im Mittleren Westen der USA und die wichtigste Transportstrecke der Region. Doch der Fluss kann auch zur Bedrohung werden, wie etwa 2011, als sich gigantische Fluten flussabwärts wälzten und zehntausende Quadratkilometer Land überfluteten. Vor allem die Metropole New Orleans ist dann gefährdet, da sie ohnehin im Untergrund versinkt und auf drei Seiten vom Wasser umschlossen ist.

Ungemach droht der Stadt jedoch auch, wenn der Mississippi seinen Lauf verändert – und das ist kein unwahrscheinliches Szenario. Statt das meiste Wasser an New Orleans vorbei in sein Delta im Golf von Mexiko zu führen, könnte der Mississippi den kürzeren und schnelleren Weg über den heutigen Atchafalaya River nehmen, der viel weiter westlich ins Meer mündet.

Wie der Mississippi das Land verschluckt
Nailor pauses to wipe her forehead while using sandbags to protect a home as floodwaters slowly rise in Memphis
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Hunderttausende Menschen am Mississippi rüsten sich für eine Monsterflut. Von Memphis, Tennessee, bis nach Louisiana droht das womöglich schwerste Hochwasser der vergangenen hundert Jahre.

Workers fill sandbags into the night in Memphis, Tennessee
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Freiwillige Helfer und Armeekräfte waren am Montag rund um die Uhr im Einsatz, um zu verhindern, dass es zum Schlimmsten kommt. Die Experten der Nationalen Ozean- und Wetterbehörde (NOAA) sagten einen Pegel von annähernd 19,50 Metern voraus.

Hochwasserfluten USA
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Nördlich von New Orleans öffneten Soldaten einen Ablauf des Flusses, um für Entlastung zu sorgen. Der Ablauf leitete Flutwasser in den Lake Pontchartrain um und von dort in den Golf von Mexiko. Das Wasser des Flusses, fürchten Naturschützer, könnte den fischreichen See zum Kippen bringen.

Lela Shaw reacts while standing on her porch as relatives move her furniture from her home that was threatened by slowly rising floodwaters in Memphis, Tennessee
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Zunächst blickten die Bewohner von Memphis mit großer Sorge auf den reißenden „Old Man River“.

People look out as as floodwaters slowly rise in Memphis, Tennessee
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In der Stadt des Rhythm and Blues gibt seit Tagen der Fluss den Ton an: Auf knapp 15 Meter sollte das Wasser dort bis Dienstag steigen.

huGO-BildID: 21890541 Two kayaker's paddle
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Auf ihrem Weg nach Memphis hat die Flutwelle bereits zahlreiche Orte und Felder überspült.

huGO-BildID: 21890603 Caution tape floats
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Auch die ersten Viertel von Memphis standen unter Wasser. Tausende Menschen verließen ihre Häuser. Rund 400 waren am Montag in Notunterkünften untergebracht.

Aus hydrologischer Sicht wäre dies für den Strom die günstigere Route. Der Hochseehafen und die Wasserversorgung von New Orleans wären dann allerdings stark gefährdet. Um das zu verhindern, bauten Ingenieure des U.S. Army Corps of Engineers ein mächtiges Sperrwerk an der Abzweigung des Atchafalaya. So wollen sie den Wasserverlauf gezielt in den Mississippi steuern. Nur bei Hochwasser darf mehr Wasser den alternativen Kurs nehmen.

Doch der Fluss ruht nicht, wie Yi-Jun Xu von der Louisiana State University in Baton Rouge auf der Jahrestagung der American Geological Union 2017 warnt. Denn der Strom transportiert auch enorme Mengen an Sedimenten in Richtung des Golfes von Mexiko. Sie füllen das Flussbett mit der Zeit auf und verlangsamen so die Fließgeschwindigkeit des Mississippi, während kaum Sand und anderes Material in den Atchafalaya gelangt.

Dadurch fließt der Mississippi verglichen mit seinem Nebenfluss auf höherem Niveau und wird nur durch Dämme aufgehalten. Seit die Sperrwerke 1963 errichtet wurden, sammelten sich etwa 36 Millionen Tonnen flussabwärts im Hauptstrom Richtung New Orleans an. Viele Sandbänke nahmen im Volumen um 200 Prozent zu, während sich das Strombett streckenweise um 800 Meter verschmälert hat.

Klimawandel und Bodenversiegelung verstärken das Problem
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