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Ärzte befürchten mehr Drillinge bei Reagenzglas-Befruchtung

Fortpflanzungsmediziner in Deutschland befürchten eine Zunahme von Drillingsgeburten nach künstlichen Befruchtungen im Reagenzglas. Grund dafür sei, dass sich mehr Frauen die gesetzlich maximal erlaubten drei Embryonen in die Gebärmutter einsetzen ließen, um schneller schwanger zu werden

dpa HANNOVER. Fortpflanzungsmediziner in Deutschland befürchten eine Zunahme von Drillingsgeburten nach künstlichen Befruchtungen im Reagenzglas. Grund dafür sei, dass sich mehr Frauen die gesetzlich maximal erlaubten drei Embryonen in die Gebärmutter einsetzen ließen, um schneller schwanger zu werden

Das berichteten die Ärzte am Freitag bei einer Fachtagung in Hannover. Damit wollten die Paare weitere Behandlungen und Mehrkosten vermeiden. Seit diesem Jahr müssen ungewollt kinderlose Paare die Hälfte der Kosten für die so genannte In-vitro-Fertilisation (IVF) selbst bezahlen. Den Angaben zufolge bekommen derzeit 2,7 Prozent der Schwangeren nach einer solchen Reagenzglas-Befruchtung Drillinge. Bei Mehrlingsgeburten nehmen Schwangerschaftkomplikationen zu, auch das Risiko von Tot- und Frühgeburten steigt deutlich.

Seit der Gesundheitsreform hat sich nach Einschätzung der Fachärzte die Zahl der Reagenzglas-Befruchtungen halbiert. Die Eingriffe gingen von 100 000 im Jahr 2003 auf etwa 50 000 in diesem Jahr zurück. „Damit entstehen etwa 10 000 Kinder weniger“, sagte Georg Wilke, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Reproduktionsmedizinischer Zentren in Niedersachsen und Bremen. Bislang kamen rund 20 000 Kinder nach einer IVF zur Welt. Da bei einer Befruchtung im Reagenzglas meist mehrere Versuche unternommen werden, müssen Paare oft einige tausend Euro bezahlen. Pro Behandlung fallen für die Patienten Kosten von etwa 1 500 Euro an.

Die Fortpflanzungsmediziner rechnen zudem mit einem zunehmenden „Befruchtungstourismus“ von ungewollt kinderlosen Paaren ins Ausland. Das deutsche Embryonenschutzgesetz verhindere eine höhere Erfolgsrate für Schwangerschaften nach einer so genannten künstlichen Befruchtung, beklagten die Ärzte in Hannover.

In Deutschland dürfen maximal drei künstlich befruchtete Eizellen auf einmal eingesetzt werden. Im Ausland herrschten teils liberalere Bestimmungen. In anderen Ländern wie Österreich oder Belgien könnten die Ärzte weit mehr Eizellen befruchten und auch „den besten Embryo“ für die erhoffte Schwangerschaft aussuchen, erklärte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (Lübeck), Klaus Diedrich.

Bei der In-vitro-Fertilisation werden der Frau Eizellen entnommen und in einem Gefäß mit den Spermien des Mannes befruchtet. So entstandene Embryonen werden in die Gebärmutter zurückversetzt und sollen zu einer Schwangerschaft führen. Oft sind dazu mehrere Versuche nötig. In Deutschland gibt es rund 120 medizinische Zentren für In-virto-Fertilisation.

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