Forschung + Innovation
Ärzte wollen Operationen mit Fehler-Erfassung sicherer machen

Mit einem „Aktionsbündnis Patientensicherheit“ wollen Deutschlands Chirurgen Fehler in den Operationssälen verringern. „Wir dürfen Fehler nicht mehr unter den Teppich kehren und so tun, als wenn keine passieren würden“, erklärte Prof.

dpa MüNCHEN. Mit einem „Aktionsbündnis Patientensicherheit“ wollen Deutschlands Chirurgen Fehler in den Operationssälen verringern. „Wir dürfen Fehler nicht mehr unter den Teppich kehren und so tun, als wenn keine passieren würden“, erklärte Prof. Matthias Rothmund, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie.

Durch Fehler in Kliniken kämen vermutlich mehr Menschen ums Leben als im Straßenverkehr, durch Aids oder durch Brustkrebs, sagte der Mediziner im Vorfeld des 122. Chirurgenkongresses in München (5. bis 8. April).

Als Voraussetzung von vorbeugenden Maßnahmen müssten Behandlungsfehler erst einmal erkannt und benannt werden, forderte Rothmund. „Wir müssen eine Fehlerkultur entwickeln.“ Über Fehler und Beinahe-Fehler müsse offen gesprochen werden. In den angelsächsischen Ländern seien in den Kliniken regelmäßige Konferenzen üblich, in denen die Todesfälle unter den Patienten noch einmal genau unter die Lupe genommen würden. „Solche Konferenzen finden bei uns in Deutschland in der Regel nicht statt.“

Für mehr Sicherheit bei Operationen forderte die Gesellschaft auch die Einrichtung von Ombudsmännern in den Krankenhäusern, bei denen das Klinikpersonal Meldung machen könne, wenn irgendetwas nicht in Ordnung scheine. Bei der Fehlervermeidung könne viel von den Fluggesellschaften gelernt werden, erklärte Rothmund. Die Airlines seien in dieser Frage den Medizinern um drei Jahrzehnte voraus.

In den USA gehen nach einer dortigen Studie von 1999 jährlich mindestens 44 000 Todesfälle - möglicherweise sogar 98 000 - auf vermeidbare Behandlungsfehler zurück, berichtete Rothmund. Für Deutschland lägen keine vergleichbaren Studien vor, aber man müsse grundsätzlich von einer ähnlichen Situation ausgehen. Trotz der alarmierenden US-Studie sei das Thema Patientensicherheit in Deutschland nie angekommen und deshalb jetzt zum zentralen Thema beim 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (Dgch) gemacht worden. Damit solle trotz einiger Kritik aus den eigenen Reihen die „Politik des Schweigens in Deutschland“ durchbrochen werden.

Nach Dgch-Angaben werden in Deutschland jede Woche rund 122 000 Menschen operiert.

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