Aida Diva
Ein Theatersaal sticht in See

Ob Kletterwand, Eislaufbahn, Formel-1-Simulator oder Bibliothek: Auf den gigantischen Hochseeschiffen scheint es nichts zu geben, was es nicht gibt. Das Kreuzfahrtschiff „Aida Diva“ integriert erstmals eine dreistöckige Showbühne mitten im Schiffsrumpf – für Statiker eine Herausforderung.

HAMBURG. Der Markt für neue, immer größere Hochseekreuzer boomt. In den nächsten Jahren wollen mehrere Reedereien rekordverdächtige Schiffe vom Stapel laufen lassen. Noch während die von der Meyer Werft ausgelieferte „Aida Diva“ zurzeit auf ihrer Jungfernfahrt gen Palma de Mallorca fährt, meldet die Papenburger Werft bereits neue Großaufträge: Der Unterhaltungskonzern Disney hat nach Firmenangaben zwei Kreuzfahrtschiffe im Milliardenwert bestellt, die die 252 Meter lange Aida Diva um fast 90 Meter übertreffen.

Die Kreuzfahrtschiffe gleichen schwimmenden Hotels. Im Unterhaltungsangebot übertreffen sie ihre Pendants an Land mit allerhand Schnickschnack. Auch die Aida Diva, die am vergangenen Freitag im Hamburger Hafen spektakulär getauft wurde, ist speziell für die Entertainment-Wünsche der bis zu 2050 Gäste zugeschnitten – mit einschneidenden Konsequenzen für die Schiffskonstruktion. Denn erstmals verkehrt mit der Aida Diva ein Ozeanliner auf den Meeren, dessen Showbühne samt Zuschauerplätzen nicht im Heck oder Bug liegen, sondern in der Mitte des Schiffes. Anstatt einen abgeschlossenen Raum zu kreieren, entwarf das Architektenteam um Siegfried Schindler von Partner Ship Design ein nach drei Seiten offenes, dreistöckiges Theater, .

Der offene Charakter des Theatriums – so nennt Aida Cruises den als Treffpunkt konzipierten Bereich – wird durch zwei große Fensterfronten betont: Wie ein Keil scheinen sie rechts und links in die Außenwand der Aida Diva geschlagen worden zu sein. Wo sonst Stahl den Schiffskörper bildet, ziert jetzt großflächig Glas die Seitenwand.

Die Idee für das lichtdurchflutete Theater war für die Schiffsstatiker eine der größten Herausforderung beim Entwurf des neuen Ozeanriesen. „Es ist, als durchtrenne man eine Wirbelsäule“, sagt Ingenieur Schindler. Schließlich nahmen die Planer dem Schiff tragende Elemente weg. Sie schnitten in die Stahldecken nicht nur in der Mitte ein großes Loch für das Theater, sondern entfernten auch Stücke an den Außenseiten, um Platz zu schaffen für die hohen Fensterfronten und die davor liegenden frei tragenden Treppen.

Ein derartiges Durchlöchern der tragenden Struktur macht ein Schiff normalerweise instabil. Es könnte bei einem starken Sturm möglicherweise durchbrechen. Um dies zu verhindern, verwendete die Meyer Werft für die betroffenen Decks statt der üblichen Stahlplatten von fünf Millimetern Dicke rund 20 Millimeter dicken Stahl.

Die Architektur des Theatriums verlangte jedoch nicht nur nach neuen Antworten auf Fragen der Statik. Auch für die Versorgungsleitungen, die in Schiffen horizontal verlaufen, musste eine neue Lösung gefunden werden. Denn weniger Fußboden bedeutete auch weniger Möglichkeiten für deren Unterbringung.

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