Airlines in Europa testen die Akzeptanz von biometrischen Verfahren
Iriskontrolle erleichtert die Einreise am Flughafen

Europäische Fluggesellschaften testen die Zuverlässigkeit von biometrischen Systemen. Nachdem die Iriskontrolle am Amsterdamer Flughafen inzwischen zur täglichen Praxis gehört, wollen auch andere europäische Fluggesellschaften ihren Kunden das Einreisen erleichtern.

DÜSSELDORF. Bundesinnenminister Otto Schily kündigte in Berlin an, der Bundesgrenzschutz werde zusammen mit der Lufthansa am Flughafen Frankfurt die Kontrolle der Augeniris sechs Monate lang bei der Grenzkontrolle testen. Und auch die skandinavische Fluglinie SAS plant ab November, auf Flughäfen in Schweden biometrische Erkennungsverfahren wie die Iriskontrolle und den elektronischen Fingerabdruck ein halbes Jahr lang zu testen.

Nach den Terroranschlägen in New York vor zwei Jahren wurden die Sicherheitsvorkehrungen an den Flughäfen weltweit verschärft. Die Kontrollen haben zwar die Sicherheit erhöht, gleichzeitig aber die Einreise zu einer Geduldsprobe gemacht. Vor allem in den Spitzenzeiten müssen sich die Passagiere auf längere Wartezeiten einstellen.

Der Flughafen Amsterdam kam als erster in Europa bereits Ende 2001 auf die Idee, Vielfliegern die Grenzkontrolle zu erleichtern. Ausgewählten Kunden wurden gegen eine Gebühr von rund 100 Euro so genannte „Privium“-Pässe ausgestellt, auf denen die Daten für eine Iriskontrolle gespeichert sind. Inhaber dieses Passes müssen bei der Einreise nach Holland nicht mehr an der normalen Grenzkontrolle Schlange stehen, sondern können an einem speziellen Durchgang die automatische Iriskontrolle passieren. Dabei wird die Geometrie der Regenbogenhaut im Auge mit der auf dem Pass gespeicherten Information verglichen. Stimmen die Daten überein, öffnet sich der Durchgang automatisch.

In wenigen Wochen wird nun auch die Deutsche Lufthansa mit dem Test der Iriskontrolle auf dem Frankfurter Flughafen beginnen. Die Personen, die an dem Test teilnehmen wollen, müssen vorher von den Sicherheitsbehörden als unbedenklich eingestuft werden. Im Mittelpunkt des Projekts steht jedoch nicht die Sicherheit der Technik, sondern die Akzeptanz des Verfahrens bei den Kunden.

Biometrische Verfahren wie die Iriskontrolle, der elektronische Fingerabdruck oder die Gesichtsfeld- Erkennung haben sich in zahlreichen Pilotprojekten bewährt. „Die Technik ist ausgreift. Bislang fehlen jedoch größere Feldversuche, die der Biometrie zu einer breiteren Akzeptanz verhelfen könnten“, sagt Veronika Nolde, Biometrie-Expertin bei der Unternehmensberatung B&L Management Consulting GmbH in Frankfurt. Vor allem der elektronische Fingerabdruck erzeugt bei vielen Menschen Unbehagen, weil er Assoziationen mit Verbrecherkarteien weckt.

Die Tests auf den Flughäfen könnten dazu beitragen, Vorurteile gegen die Erkennungstechniken abzubauen. Das könnte den Innenministern in den europäischen Ländern helfen, die Ausweise mit Hilfe biometrischer Merkmale sicherer machen wollen. Für Lutz Diwell, Staatssekretär im Bundesinnenministerium, bringt die Einführung biometrischer Kontrollen einen erheblichen Sicherheitsgewinn: „ Fingerabdrücke oder Irisfotos könnten die Identifikation einreisender Personen entscheidend verbessern.“

In Deutschland macht das Terrorismusbekämpfungsgesetz den Weg frei für die Integration der biometrischen Daten in die Ausweispapiere. Eine Entscheidung für die eine oder andere Technik ist noch nicht gefallen. Lange warten kann Otto Schily jedoch nicht: USA-Reisende aus Europa müssen spätestens im Oktober 2004 Pässe mit biometrischen Merkmalen vorzeigen, ansonsten tritt wieder die Visumpflicht in Kraft.

Besucher, die mit Visa in die USA einreisen, können sich bereits ab dem 1. Januar 2004 an die neuen Erkennungsmethoden gewöhnen. Das US-Heimatschutzministerium (Department of Homeland Security) plant ab diesem Zeitpunkt, alle Einreisenden zu fotografieren und ihre Fingerabdrücke zu erfassen. Die gewonnenen Daten sollen an eine zentrale Datenbank übermittelt und dort mit den biometrischen Daten von Verdächtigen sowie bekannten Terroristen und Verbrechern verglichen werden. Das System wird zuerst auf US-Flughäfen und Seehäfen installiert.

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