Alfred Nobel
Mit Dynamit zum Weltverbesserer

Kaum zwei Wochen ist es her, seit in Stockholm und Oslo die Namen der diesjährigen Nobelpreisträger verkündet wurden. Der Mann, der mit seinem Vermögen den Grundstock für die Auszeichnungen legte, wurde heute vor 175 Jahren geboren. Und es sah zunächst keineswegs danach aus, als würde Alfred Nobel zu großem Reichtum kommen.

HB DÜSSELDORF. Am 27. November 1895 setzte Alfred Bernhard Nobel in Paris jenes Dokument auf, das ihn unsterblich machen sollte. In seinem Testament bedachte er zunächst Verwandte und ihm nahestehende Personen mit Teilen seines gewaltigen Vermögens. Dann bestimmte er, was mit dem Rest geschehen sollte. Die Geschichte ist bekannt: Aus den Mitteln der Stiftung, die Nobel mit seinem letzten Willen gründen ließ, werden seit 1901 die Nobelpreise vergeben.

Dass der heute vor 175 Jahren, am 21. Oktober 1833 geborene Nobel solche Reichtümer anhäufen würde, war zum Zeitpunkt seiner Geburt keineswegs absehbar. Im Gegenteil: Kaum vier Jahre war Alfred alt, als sein Vater Immanuel, ein Gummifabrikant, vor seinen Gläubigern aus Schweden nach Russland fliehen musste.

Dort gelingt den Nobels die wirtschaftliche Konsolidierung: Im Krimkrieg (1853-1856) halten Seeminen aus den Nobel-Labors britische Kriegsschiffe von einem Angriff auf St. Petersburg ab. Zu dieser Zeit ist Alfred bereits ein erfahrener Chemiker, der die Arbeit des Vaters unterstützt und fortführt. In Paris, wo Alfred bei dem bekannten Chemiker Théophile-Jules Pelouze studiert, lernt der junge Chemiker den Italiener Ascanio Sobrero kennen, der kurz zuvor das Nitroglycerin entdeckt hatte. Die Beschäftigung mit dem hoch explosiven Stoff wird für Alfred Nobel zur Lebensaufgabe.

Nach der Rückkehr nach Schweden 1863 widmet sich Nobel dem Versuch, das kaum beherrschbare Nitroglycerin zu bändigen – zunächst mit geringem Erfolg. 1864 kommt es zur Katastrophe, als eine Explosion die Nobel-Fabrik in Heleneborg zerstört. Unter den Toten ist auch Alfreds jüngerer Bruder Emil.

Erst als Nobel das flüssige Nitroglyzerin mit Kieselgur mischt, einem weißlichen, extrem saugfähigen Pulver, wird das Sprengöl kontrollierbar. Der nun feste Stoff, in Papppatronen verfüllt und mit einem Zünder versehen, erlangt unter dem Namen Dynamit rasche Verbreitung. Und wieder ist es ein Krieg, der Nobels Geschäft mit dem Explosivstoff ankurbelt: Als sich Deutschland und Frankreich 1870/71 auf dem Schlachtfeld gegenüberstehen, liefert Nobel sein Dynamit an beide Kriegsparteien – und scheffelt Millionen.

Dass Alfred Nobel diese Millionen testamentarisch für Personen, „die im abgelaufenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben“, verwendet sehen wollte, sehen manche Beobachter im schlechten Gewissen des durch Krieg und Leid reich Gewordenen begründet. Doch solcher psychologisierenden Entwürfe bedarf es nicht unbedingt, um die breit gestreuten Interessen eines Mannes zu begründen, der fünf Sprachen beherrschte und neben seiner extrem erfolgreichen Arbeit als Wissenschaftler und Erfinder – 355 Patente – auch als Verfasser von Gedichten und Theaterstücken in Erscheinung trat.

Leider hat uns Nobel keine klaren Angaben hinterlassen, warum er sein Vermögen in dieser Form verwendet sehen wollte. Und so ist das Rätselraten um die Motive des Stifters längst Teil der Nobelpreis-Tradition geworden – wie das alljährliche Bankett und die Festreden der Geehrten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%