Alltag auf der ISS
Zum schlafen geht's in den Schrank

Während die Internationale Raumstation (ISS) mit 29 000 Kilometer pro Stunde um die Erde rast, gehen an Bord nie die Lichter aus. Selbst wenn die Astronauten schlafen, ist es im Servicemodul „Swjesda“ taghell. Doch auch ohne künstliches Licht wird es nie richtig Nacht auf der ISS.

HB MOSKAU. Bis Ende des Jahres wird der deutsche Astronaut Thomas Reiter auf der ISS arbeiten. 183 Tonnen schwer, 73 Meter lang und 45 Meter breit, hat die Raumstation ungefähr das Volumen einer geräumigen Dreizimmerwohnung mitten in der Schwerelosigkeit. „Innerhalb kurzer Zeit verliert man das Gefühl für Oben und Unten“, sagt Volker Sobick vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR). Zumal alle Flächen genutzt werden. Einen Fußboden oder eine Decke gibt es nicht.

Betten im übrigen auch nicht. Und so wird sich Thomas Reiter von nun an jeden Abend um halb zwölf neben seinen neuen Kollegen Pawel Winogradow und Jeffrey Williams in den Schlafsack kriechen, der in einer Art schmalem offenem Schrank hängt. Nur ein Vorhang verschafft den Crew-Mitgliedern ein wenig Privatsphäre. Über Schlafprobleme hat bislang noch kein Astronaut auf der ISS geklagt.

Der alltägliche Toilettengang gestaltet sich im All wiederum recht schwierig. Eine Pumpe saugt die Exkremente förmlich ab. Wie das aussieht, erklärt die Nasa anhand eines Videos: brainbites1.nasa.gov/bathroom/

Gekocht wird vor allem Tiefkühlkost in der bordeigenen Mikrowelle. Als nach der Katastrophe der US-Raumfähre „Columbia“ am 1. Februar 2003 alle amerikanischen Shuttle-Flüge vorübergehend eingestellt wurden, mussten sich auch die amerikanischen Astronauten an Bord der ISS mit russischem Borschtsch und Blini (Pfannkuchen) begnügen. Seitdem die Shuttle-Flüge im vergangenen Jahr wieder aufgenommen wurden, gibt es auch wieder Shrimps und Steak für die Amerikaner.

Trinken ist nicht so leicht

Während die Astronauten nur ein wenig Geschick brauchen, um ihr Essen in der Schwerelosigkeit einzufangen, gestaltet sich Trinken schon schwieriger. Mit einer Art Weinschlauch muss sich die Crew die Flüssigkeit in den Mund spritzen. Alkohol ist streng verboten. „Nicht einmal Schnapspralinen sind auf der ISS erlaubt“, sagt DLR-Experte Sobick. Auf der russischen Raumstation „Mir“ war das noch anders. Das russische Fernsehen hat Archivaufnahmen, auf denen sich zwei russische Kosmonauten ein schwebendes Gläschen Cognac gönnen. Gezeigt wurden die Bilder aber erst kurz vor dem Untergang der „Mir“ 2001.

Ohnehin hätte Thomas Reiter kaum Zeit für einen Schnaps. Der Tagesablauf an Bord ist straff durchgeplant. Neben wissenschaftlichen Experimenten und Arbeiten an der Raumstation treiben Reiter, Winogradow und Williams täglich morgens und nachmittags 90 Minuten Sport, um dem Muskelschwund durch die Schwerelosigkeit vorzubeugen.

Per Telefon und E-Mail kann die Crew Kontakt zu ihren Angehörigen halten. Fernsehen und Radio gibt es nicht. Die ISS braucht ihre Antennen für Wichtigeres. Daher muss Reiter auf das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft wohl verzichten. Stattdessen hat er einen mp3-Player mit Musik im Gepäck. Und dann gibt es ja auch immer noch den Blick aus den 14 Bullaugen der Raumstation auf die Erde und in die Weiten des Kosmos.

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