Alternative
Eisige Energiequelle

Zwei Drittel der Erde sind mit Wasser bedeckt. Dementsprechend viel Methanhydrat lässt sich in den Tiefen der Meere finden. Für Asien gilt das so genannten Methaneis als Energie der Zukunft - Die deutsche Forschung will sich an den Projekten beteiligen.

HAMBURG. Zwei Drittel der Erde sind von Meeren bedeckt, und in ihnen tummeln sich sonderbare Geschöpfe wie der 1997 entdeckte Eiswurm, der mitten im Methanhydrat lebt. Der fünf Zentimeter große Wurm ist bekannt aus Frank Schätzings Bestseller "Der Schwarm", wo er durch Überbevölkerung seinen Lebensraum zerstört, was zum Abrutschen der untermeerischen Kontinentalhänge führt und ein Weltuntergangsszenario auslöst. Aber auch in der weniger katastrophalen Wirklichkeit ist das Methanhydrat auf dem Meeresboden ein beachtenswerter Stoff.

Untermeerisches Methan (CH4) entstammt der bakteriellen Zersetzung abgestorbenen und auf den Meeresboden gesunkenen Planktons. Die eigentlich flüchtigen Gasmoleküle werden durch Kälte und hohen Druck in der Tiefsee in einer gitterförmigen Einschlussverbindung mit Wassermolekülen, dem "Clathrat", festgehalten. Diese Mikrokäfige bilden meterhohe Lagen aus festem Methanhydrat, auch "Methaneis" genannt. Weltweit hat man Hydratfelder entdeckt, vor allem an den Kontinentalrändern, für deren Stabilität sie eine wichtige Rolle spielen.

Nach vorsichtigen Schätzungen der japanischen Experten von Tokyo Gas lagert allein in den japanischen Gewässern genug Methanhydrat, um die von Energieimporten abhängige Nation hundert Jahre zu versorgen.

Als 1997 das Forschungsschiff "Sonne" erstmals größere Mengen Gashydrate vor Kalifornien einsammelte, die wie Brausepulver schäumten und dabei schmolzen, war die Sensation noch groß. Heute sind zig Wissenschaftler im Regierungsauftrag auf Explorationstour. Und die deutsche Expertise ist dabei gefragt. So wurde kürzlich ein Kooperationsvertrag mit Korea ausgehandelt, da das Land in den nächsten Jahren etwa 100 Millionen Dollar in die Prospektion der eigenen Tiefseevorkommen investieren will. "Südkorea holt sich noch internationalen Rat und prüft grade unsere Vorschläge", sagt Peter Linke vom Geomar-Institut in Kiel und Leiter der AG Gashydrate.

Um die Energiequelle der Zukunft zu finden, muss man mit hochauflösenden Side-Scan-Sonaren, die auf den deutschen Forschungsschiffen vorhanden sind, den Meeresboden abtasten. Denn die Gashydrate liegen nicht gleichmäßig verteilt in den Kontinentalhängen. Druck, geringe Temperaturen und ein hoher organischer Gehalt im Sediment müssen für die Bildung des Hydrats zusammenkommen. "Das aktive Verbreitungsfenster von stabilen Hydraten", sagt Gerhard Bohrmann, Geologe vom Ozeanränderinstitut in Bremen, "liegt in etwa zwischen 500 und 1 500 Meter Wassertiefe."

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