Alternative Rohstoffquellen
Berliner Forscher recyceln Betonplatten

Erst schwingt die Abrissbirne, dann krachen die Brocken in den Betonshredder, dabei heraus kommt Straßenschotter – so sieht bislang das Schicksal vieler ostdeutscher Plattenbauten aus, die lange leer standen. Außer aufwendigem Um- und Rückbau kam keiner bislang auf die Idee, die ehemaligen DDR-Wohnsiedlungen zu recyceln. So verwegen die Sache klingt: An der Technischen Universität Berlin (TU) ist ein Verfahren entwickelt worden, wie aus uniform zusammen gefügten Stahlbetonplatten schmucke Einfamilienhäuser werden.

BERLIN. Die Idee kommt zur rechten Zeit, denn innerhalb der nächsten fünf Jahre sollen 350 000 Plattenbauwohnungen abgerissen werden. „Bei der Demontage einzelner Elemente im Zuge von Sanierungen haben wir umfangreiche Erfahrungen gesammelt, was dazu führte, über eine Wiederverwertung nachzudenken“, sagt Claus Asam, der das Projekt am Institut für Erhaltung und Modernisierung von Bauwerken an der TU (IEMB) leitet.

Die ersten Stahlbetonelemente eines Plattenbaus aus Marzahn erleben derzeit in Mehrow bei Berlin ihre Wiederauferstehung in Form eines neuen Einfamilienhauses, Garage inklusive. Etwa 60 alte Platten wurden dafür verbaut. Der zweistöckige Rohbau mit Flachdach steht bereits – nichts erinnert mehr an seine Vergangenheit als kantige Mietskaserne. Denn die Platten werden den architektonischen Wünschen entsprechend zugeschnitten.

An der Stabilität der Elemente scheitert jedenfalls kein Bauvorhaben. Obwohl auch Beton kein Material für die Ewigkeit ist und der aus der DDR in dem Ruf steht, mitunter zum Bröseln zu neigen – je nachdem aus welcher Region er stammt. So ist in den 70er Jahren zu viel salzhaltiger Ostseesand oder minderwertiger Zement aus der Hüttenindustrie verwendet worden. Auf die von den Berliner Wissenschaftlern auf ihre Festigkeit überprüften Elemente trifft das nicht zu. Das Material sei von guter Qualität, versichert Asam. Dennoch: Ohne Materialprüfer, die den Stoff vor seiner Wiederverwertung auf seine Festigkeit hin abklopfen, kommt der Prozess nicht aus. Um sicher zu gehen, kommen ohnehin nur die Stahlbetondecken und tragende Innenwände zum Einsatz. „Das sind immerhin 60 bis 70 Prozent der Bausubstanz“, sagt Asam.

Neu an der Idee der Berliner sei, die Platte als Rohstoffquelle zu begreifen und von der Demontage bis zur neuen Baustelle den Stoffkreislauf zu steuern, erklärt der Bauingenieur. Auf der Demontagebaustelle werden die Elemente sorgfältig abgebaut, gereinigt und bearbeitet. Dafür liegen bereits die Pläne des neuen Hauses vor, so dass die Teile passgenau zugeschnitten werden – sogar Löcher für die Steckdosen werden gebohrt.

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