Alternative zu Antibiotika
Neue Waffe im Kampf gegen Krankheitskeime

Immer mehr Bakterien entwickeln Resistenzen gegen herkömmliche Antibiotika. Jetzt wollen Forscher die einst so wirkungsmächtigen Medikamente durch eine neue „Wunderwaffe“ ersetzen.
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LeipzigEine der wirksamsten Waffen im Kampf gegen Infektionskrankheiten droht stumpf zu werden. Immer mehr Krankheitserreger erweisen sich als immun gegen Antibiotika. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt seit längerem vor wachsenden Resistenzen von Krankheitserregern gegen die einst so potenten Medikamente. So steckten sich laut WHO 2010 fast eine halbe Million Menschen mit einer Form der Tuberkulose an, die gegen viele Antibiotika unempfindlich ist - ein Drittel der Erkrankten starb.

Vor diesem Hintergrund lässt eine Entwicklung des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie (IZI) in Leipzig aufhorchen. Die IZI-Forscher haben eine Alternative zu herkömmlichen Antibiotika entwickelt: Antimikrobielle Peptide sollen künftig den Kampf mit den Krankheitserregern aufnehmen.

„Wir haben bereits 20 dieser kurzen Ketten von Aminosäuren identifiziert, die zahlreiche Keime abtöten. Darunter fallen Enterokokken, Hefen und Schimmelpilze, aber auch humanpathogene Bakterien wie der Streptococcus mutans, der in der Mundhöhle Karies erzeugt“, erläutert Andreas Schubert, Gruppenleiter am IZI.

Die künstlich hergestellten Peptide binden sich außen an die Zellwand der Bakterien und durchdringen diese. Dabei entwickeln sie innerhalb von Minuten ihre für die Mikroben tödliche Wirkung. Gesund Körperzellen werden durch die Aminosäuren nicht geschädigt.

Doch nicht allein als Antibiotika-Alternative bieten sich die Peptide an. Auch die Lebensmittelindustrie könnte künftig von den antimikrobiellen Aminosäuren profitieren, führt doch die Keimbelastung von Esswaren zu jährlichen Einnahmeausfällen in Milliardenhöhe. So sind etwa Frischsalate stark durch Hefen und Schimmelpilze kontaminiert. Würden antimikrobielle Peptide bereits im Herstellungsprozess den Nahrungsmitteln beigemischt, könnte deren Haltbarkeit verbessert werden.

„Dies ist durchaus möglich, da die im Projekt untersuchten kurzkettigen Peptide kein allergologisches Risiko bei einer Zugabe in Lebensmittel aufweisen“, sagt Schubert. Der Forscher ist von den vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten überzeugt und zieht auch den Einsatz im Maschinenbau in Betracht – etwa um Hydrauliköle keimfrei zu halten.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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