Amerikanische Firmen entwickeln Pläne für einen Concorde-Nachfolger
Überschalljet bringt Firmenchefs schneller zum nächsten Termin

Als die Concorde im vergangenen Jahr ausgemustert wurde, schien das Ende des Überschall-Luftverkehrs für lange Zeit besiegelt. Der Markt war zu klein, Betriebskosten und Ticket-Preise lagen zu hoch. Diverse Studien und Konzepte für einen Concorde-Nachfolger wurden zwar erarbeitet, dann aber wegen zu hoher Kosten und Umwelt-Bedenken wieder zu den Akten gelegt.

DÜSSELDORF. Inzwischen aber gibt es Anzeichen dafür, dass in absehbarer Zukunft zwar nicht wieder große Passagiermaschinen wohl aber Business Jets erstmals in den Überschallbereich vorstoßen werden.

„Es muss noch eine Menge technologischer Entwicklungsarbeit geleistet werden“, sagt Sam Bruner, Direktor für Zukunftsprojekte bei der amerikanischen Raytheon Aircraft, „aber wir gehen das jetzt doch sehr viel geschlossener an als noch vor einem Jahr. Und Bruner weiß, wovon er spricht. Immerhin hat seine Company zusammen mit der Nasa eine umfangreiche Studie über die Machbarkeit von kleineren überschallschnellen Geschäfts- und Reiseflugzeugen erarbeitet.

Inzwischen gibt es zwei konkrete Projekte. Sie wurden vor kurzem in den Vereinigten Staaten vorgestellt. Der stellvertretende Vorsitzende der Aerion Corporation, Brian Barents, bezeichnete den geplanten Supersonic Business Jet (SSBJ) seiner Firma als eine „Mixtur zwischen Neuem und Erprobtem“. Die Maschine soll einmal acht bis zwölf Passagiere mit eineinhalbfacher Schallgeschwindigkeit mehr als 7 000 Kilometer weit transportieren können.

Aerion arbeitet inzwischen bereits mit Pratt & Whitney zusammen, um eine neue Version des bewährten Triebwerks „JT8D“ als Überschall-Motor für den neuen Flieger zu entwickeln. Zwei dieser je acht Tonnen Schub leistenden neuen „JT8D-219“-Triebwerke sollen den kleinen Jet auf Überschallgeschwindigkeit bringen. Dabei ginge die Hälfte des maximalen Abfluggewichtes der Maschine – das soll bei etwa 40 Tonnen liegen – auf den Treibstoff.

Das neue Überschall-Flugzeug soll sich fünf Jahre nach dem offiziellen Programm-Start in die Lüfte erheben. Dieser ist allerdings noch nicht erfolgt. Die Aerion Corporation sieht sich auch nur als Hauptauftraggeber, der die Parameter für den Überschallflieger festlegt, die Marktchancen analysiert, am Risiko beteiligte Hersteller für die verschiedenen Baugruppen und Komponenten auswählt. Dieser Prozess dürfte jedoch noch etwa 18 Monate in Anspruch nehmen. Erst danach könnte dann gegebenenfalls grünes Licht für den Bau der Maschine gegeben werden.

Das zweite SSBJ-Projekt präsentierte der Sohn des verstorbenen Besitzers der Gulfstream Aerospace, Michael Paulson. Seine Supersonic Aerospace International (SAI) habe für mehr als 25 Millionen Dollar Forschungen bei Lockheed durchführen lassen, berichtete er. Das habe unter anderem zu 27 neuen Patenten im Bereich des Überschallflugs geführt, die seine Firma jetzt halte. Das daraus resultierende Projekt „Quiet Small Supersonic Transport“ (QSST) sehe eine Maschine für acht bis zwölf Passagiere vor, die eine 1,6- bis 1,8-fache Schallgeschwindigkeit erreichen soll. Die Maschine solle nach hinten geschwenkte Flügel bekommen, ein umgekehrtes V-Leitwerk – also wie ein großes, auf dem Kopf stehendes V. Mit diesem Trick wollen die Konstrukteure erreichen, dass der Überschall- Lärm des Jets nur ein Hundertstel dessen beträgt, was die Concorde verursacht hat.

Wegen des benötigten Triebwerks steht SAI – ebenso wie Aerion – mit Pratt & Whitney in Verhandlungen, aber auch mit Rolls Royce. Der Motor soll etwa 15 Tonnen Schub erreichen, bei einem maximalen Abfluggewicht des QSST von etwa 60 Tonnen. „Wir haben das Konzept, und wir werden das Flugzeug auch bauen“, sagt Paulsen. Die Maschine könne etwa 2019 bis 2011 erstmals abheben, die Zulassung 2012 erfolgen. Die Entwicklungskosten werden mit zwei bis drei Milliarden Dollar angegeben. Bei der SAI – genauso wie bei der Aerion Corporation – sieht man inzwischen einen Bedarf für etwa 300 Überschall-Business-Jets innerhalb eines Jahrzehnts.

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