Forschung + Innovation
Angst regiert die Abneigung gegen Fremde mit anderer Hautfarbe

Angst ist der unterschwellige Faktor, der Zurückhaltung oder Abneigung gegenüber Menschen anderer Hautfarbe steuert. Das haben US-Psychologen bei Versuchen mit weißen und schwarzen Teilnehmern nachgewiesen.

dpa WASHINGTON. Angst ist der unterschwellige Faktor, der Zurückhaltung oder Abneigung gegenüber Menschen anderer Hautfarbe steuert. Das haben US-Psychologen bei Versuchen mit weißen und schwarzen Teilnehmern nachgewiesen. Demnach können Weiße die Angst vor Fremden gleicher Hautfarbe eher abschütteln als ihre Furcht vor Schwarzen - und umgekehrt.

Das Team um Andreas Olsson von der Universität New York berichtet im Wissenschaftsjournal „Science“ (Bd. 309, S. 785) vom Freitag, dass die negative Reaktion unbewusst in der als Mandelkern (Amygdala) bekannten Region des Gehirns ausgelöst wird und auf Hirnaufnahmen zu sehen ist.

In einem Begleitkommentar warnt der schwedische Wissenschaftler Arne Öhman vor der Gefahr, dass solch unterschwellige Angst in Zeiten des Terrorismus oder ethnischer Rivalität missbraucht wird. Der Mensch neige dazu, stereotype Vorstellungen von gefürchteten Personen zu entwickeln, die es ihm ermöglichen, seine Angst zu rechtfertigen. So dämonisiere er Fremde mit anderer Hautfarbe oder sonstigen äußeren Merkmalen nur allzu bereitwillig, um einen Grund für das unterschwellige Unbehagen zu haben. Einen Ausweg aus diesem Teufelskreis biete der direkte Kontakt mit der gefürchteten Person oder Gruppe, schreibt Öhman. Am wirksamsten seien Liebesbeziehungen zwischen Angehörigen beider Lager.

Olsson und Kollegen aus New York und Boston zeigten jungen weißen und schwarzen New Yorkern Fotos von je zwei weißen und schwarzen Männern. Das Bild je eines Weißen und Schwarzen wurde zunächst von einem leicht unangenehmen Elektroschock begleitet. In Anlehnung an die Arbeiten des russischen Biologen Iwan Petrowitsch Pawlow brachten die Forscher damit ihre Probanden dazu, die Bilder mit einem unangenehmen Erlebnis zu assoziieren.

Anschließend versuchten die Forscher, diesen „Pawlow-Reflex“ wieder auszulöschen, indem sie den Probanden dieselben Bilder ohne Elektroschocks zeigten. Die Angst vor den Bildern mit Männern der eigenen Hautfarbe nahm bei den Probanden tatsächlich ab. Dagegen gerieten Weiße beim Anblick von Schwarzen weiterhin ins Schwitzen und Schwarze bei der Ansicht von Weißen. Aus der Schweißabsonderung schließen die Forscher auf negative Gefühlsreaktionen - ein Schluss, der von den Hirnaufnahmen bestätigt wurde.

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