Anlagen für erneuerbare Energien
Heizungsbau setzt auf Umweltschutz

Die Klimadiskussion um Schadstoffemissionen macht auch vor dem Heizungsbau nicht halt. Auf der Fachmesse ISH werden vermehrt Heizanlagen präsentiert, die auf erneuerbaren Energien basieren. Die Nachfrage, zum Beispiel nach Öfen für Holzpellets, ist groß.

FRANKFURT. Die Diskussion um die Versorgungssicherheit mit Öl und Gas und vor allem die hohen Preissteigerungen haben den deutschen Heizungsmarkt neu belebt. Die Nachfrage nach Heizungen, die mit erneuerbaren Energiearten betrieben werden, boomt in Deutschland. Nach Angaben von Andreas Lücke, Geschäftsführer des Verbands Haus-, Energie-, und Umwelttechnik, wurden 2006 in Deutschland rund 55 000 Holzheizkessel installiert, eine Steigerung um 72 Prozent. Der Absatz von Wärmepumpen erhöhte sich um 120 Prozent auf 55 000, und es wurden 140 000 Solaranlagen zur Erzeugung von Warmwasser oder zur Heizung installiert, ein Plus von 58 Prozent. „Alle großen Hersteller haben diese Anlagen inzwischen im Programm“, sagt Lücke. Diese seien oft ausverkauft. Auf der noch bis Sonnabend geöffneten Fachmesse ISH in Frankfurt sind sie die Attraktionen der Stände.

„Im Wärmemarkt haben die erneuerbaren Energien ein großes Potenzial“, sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel bei der Eröffnung der Messe. Das hört die Heizungsindustrie gerne, hat sich die Politik bisher doch vor allem auf die Förderung von Windkraft und Solarstrom konzentriert. „Der Wärmemarkt hat mit rund 40 Prozent den größten Anteil am Energieverbrauch“, sagte Martin Viessmann, Geschäftsführender Gesellschafter des nach Bosch-Buderus und Vaillant drittgrößten Heizungsherstellers in Frankfurt. Subventionen lehnt die Industrie zwar offiziell ab, Viessmann wies aber darauf hin, dass Frankreich die Modernisierung der Heizungen steuerlich fördert.

Viessmann erwartet einen großen Markt und investiert mit Macht in diesen Bereich. Erstmals ist das Familienunternehmen aus Nordhessen vom Prinzip des organischen Wachstums abgegangen und hat zwei Hersteller von Holzfeuerungsanlagen im österreichischen Vorarlberg gekauft: Mawera mit 35 Mill. Euro Umsatz und Köb & Schäfer mit 26 Mill. gelten als führende Unternehmen für große und kleine Anlagen, die Pellets oder Holzschnitzel verfeuern. Auch in der Solarthermie und bei Wärmepumpen ist Viessmann aktiv und setzt auf eigene Fertigung. Erneuerbare Energien tragen inzwischen 20 Prozent zum Gesamtumsatz von 1,4 Mrd. Euro bei.

BBT Thermotechnik, der aus der Bosch-Marke Junkers und Buderus entstandene Marktführer, ist da etwas vorsichtiger. „Wir überlegen, ob wir in den Markt für Holzpellets-Heizungen einsteigen sollen, weil wir nicht sicher sind, wie sich der Markt entwickelt“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der BBT Thermotechnik, Joachim Berner, in Frankfurt. Dagegen investiert BBT stark in Wärmepumpen. Nach der Übernahme des schwedischen Wärmepumpenspezialisten IVT folgte jetzt der Kauf des US-Herstellers FHP mit einem Umsatz von 60 Mill. Dollar. Außerdem ist vor kurzem in Portugal eine Fertigung für Sonnenkollektoren in Betrieb gegangen.

Trotzdem ist die Branche über den Boom der erneuerbaren Energien nicht recht glücklich. Sie sieht ein größeres Energieeinsparpotenzial in der Erneuerung veralteter Heizungen durch Brennwerttechnik, die auch die heiße Abluft zum Heizen nutzt.

Nach Angaben von Viessmann sind in Deutschland noch zwei Millionen über 25 Jahre alte Heizungsanlagen in Betrieb. „Allein ihr Austausch gegen effiziente Brennwerttechnik, ergänzt mit thermischen Solaranlagen, würde im Wärmesektor fast 30 Prozent Energie sparen“, betont Viessmann. Der Absatz der Brennwertheizungen ist im vergangenen Jahr bereits um rund zehn Prozent auf knapp 350 000 Geräte gestiegen, während der Verkauf herkömmlicher Heizungen mit Öl und Gas um über zehn Prozent sank. Doch vor allem im Mietwohnungsbau haben Vermieter nach Ansicht von Viessmann bisher kein Interesse, in moderne Heizungen zu investieren. Deshalb plädiert Viessmann für die Einführung des geplanten Energiepasses für Häuser, der die Heizkosten verdeutliche.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%