Anwendung
Banken finanzieren Innovationen

Wie bringt man Innovationen schneller zur Anwendung? Mit neuen Geschäftsmodellen zum Beispiel, sagt das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe. Beispiel Kläranlagen.

hsn DÜSSELDORF. Weil die Stadt Selm im Kreis Unna kein Geld für den Abwasseranschluss von 25 Häusern im Wohngebiet Dahler Feld hatte, hätten die Hausbesitzer ihre maroden alten Kläranlagen auf eigene Rechnung ersetzen müssen. Mit dem neuen Geschäftsmodells des Fraunhofer ISI, das mit Unterstützung der West-LB entwickelt wurde, werden die modernen, aber in der Anschaffung teureren Membran–Kläranlagen zunächst von einem Unternehmen – in diesem Fall vom Lippe-Verband – gekauft, eingebaut und betrieben. Nach zehn Jahren gehen sie dann in den Besitz der Hauseigentümer über.

Damit schlagen sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen entfallen die Anschaffungskosten von rund 6 000 Euro pro Anlage für einenVierpersonenhaushalt – in den ersten zehn Jahren zahlen sie nur eine Gebühr. Zum anderen erzielen die Membran-Kläranlagen eine Abwasserqualität, die auch schärfere Grenzwerte einhält: Das Abwasser, das am Ende des dreistufigen Reinigungsprozesses die Kläranlage im Garten verlässt, hat Badegewässerqualität nach EU-Richtlinie und kann im Erdreich versickern.

Das Potenzial des Geschäftsmodells, das mit dem Lippe-Verband, dem Ruhr-Forschungsinstitut für Innovations- und Strukturpolitik (RUFIS), der RWTH Aachen sowie dem Ingenieurbüro Prof. Stein & Partner entwickelt wurde, sei enorm, sagt ISI-Projektleiter Dominik Toussaint. Viele Abwasserkanäle in Deutschland seien marode und müssten saniert werden, doch den Gemeinden fehle das Geld.

Der Betrieb dezentraler Kläranlagen im Rahmen eines Betreibermodells würde laut Toussaint die Abwasserreinigung im ländlichen Raum voran bringen. Selbst für dichter besiedelte Gebiete wäre das Konzept eine wirtschaftliche und technische Alternative. „In der Wohnungswirtschaft könnte sich ein großer Markt für dezentrale Abwasseranlagen entwickeln“, so der ISI-Projektleiter.

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