Archäologie am Amazonas Rätselhafte Erdbilder im Regenwald

Jahrhundertelang lagen sie verborgen unter dem dichten Laub des Regenwalds. Wer die riesigen Erdbilder im brasilianischen Bundesstaat Acre einst schuf, ist unklar. Ein wenig konnten Forscher den Schleier jetzt lüften.
Hunderte Kreise, Linien und Quadrate gruben die unbekannten Baumeister in den Regenwaldboden. (Foto: Jennifer Watling)
Rätselhafte Geoglyphen

Hunderte Kreise, Linien und Quadrate gruben die unbekannten Baumeister in den Regenwaldboden. (Foto: Jennifer Watling)

BerlinLange lagen sie versteckt unter dem Blätterdach des Amazonas-Regenwalds, erst die großflächigen Rodungen der jüngeren Vergangenheit brachten sie ans Licht: Hunderte Erdbilder, sogenannte Geoglyphen, haben Forscher in den vergangenen Jahren im brasilianischen Bundesstaat Acre aufgespürt. Wer die riesigen Kreise, Linien und Quadrate einst in den Boden grub, ist unbekannt. Ein paar Geheimnisse der uralten Bodenbilder haben Forscher nun aber lüften können.

„Wir wollten wissen, wie stark die Landschaft seinerzeit von den Menschen verändert wurde, als sie diese Erdwerke schufen“, erklärt Jennifer Watling. Zusammen mit Kollegen auf Brasilien und Großbritannien nahm die Archäologin vom Museum für Archäologie der Universität Sao Paulo zwei der über 400 Geoglyphen genauer unter die Lupe.

Stonehenges großer Bruder
Stonehenges großer Bruder
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In unmittelbarer Nähe des geheimnisvollen Steinkreises Stonehenge in Südengland haben Wissenschaftler Überreste einer riesigen prähistorischen Anlage entdeckt.

Im Boden versteckt
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Die Steine befänden sich etwa drei Kilometer von Stonehenge entfernt nahe der Steinzeitsiedlung Durrington Walls und seien etwa einen Meter hoch mit Erdreich bedeckt, erklärten Mitarbeiter der Universität Bradford.

Bis zu 90 Steiner
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Versteckt unter der Erde befinden sich hier bis zu 90 stehende Steine, die bis zu viereinhalb Meter hoch sind. Die Anlage könnte ursprünglich jedoch bis zu 200 Steine umfasst haben, vermuten die Forscher. Damit wäre sie die größte bekannte Ruinenstätte aus der Jungsteinzeit.

Älter als Stonehenge
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 Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich um eine rituelle Stätte handelt, die älter ist als das rund 4000 Jahre alte Stonehenge.

Steine für Stonehenge
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Bei den Steinen handelt es sich um sogenannte Sarsensteine, wie sie auch für Stonehenge verwendet wurden. Möglicherweise wurden Steine der älteren Anlage bei Errichtung des jüngeren Steinkreises verwendet.

Archäologie ohne Spaten
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Auf die Spur der Anlage kamen die Forscher ohne einen Spatenstich. Stattdessen verwendeten sie moderne Techniken wie Bodenradar...

Bodenradar im Einsatz
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...um den Untergrund zu scannen. Die Steine liegen daher immer noch unberührt in der Erde.

Die unbekannten Baumeister schufen ihre Werke, indem sie bis zu vier Meter tiefe Gräben in den Boden gruben und das ausgehobene Erdreich zu markanten Wällen aufhäuften. So entstanden bis zu 300 Meter große Geoglyphen, von denen einige auf ein Alter von über 3000 Jahren geschätzt werden. Die meisten Bilder entstanden aber vor 2000 bis 650 Jahren – in jedem Fall vor Ankunft der Europäer auf dem südamerikanischen Kontinent.

Watling und ihr Team entnahmen nun Bodenproben aus der Umgebung von zwei Geoglyphen und untersuchten sie auf Spuren von Pflanzen sowie auf Feuerspuren – letzteres ein möglicher Hinweis auf Brandrodungen. Auf diese Weise gewannen die Forscher einen Überblick über rund 6000 Jahre Vegetationsgeschichte im Gebiet der Erdbilder.

Wie sich zeigte, nahmen die unbekannten Bilderkünstler durchaus Einfluss auf den sie umgebenden Regenwald: So veränderten sie den ursprünglichen Bambuswald, indem sie verstärkt Nutzpflanzen für ihren täglichen Bedarf anpflanzten, etwa bestimmte Palmenarten. Dabei verzichteten sie aber auf großflächige Brandrodungen, wie sie für die Neuzeit charakteristisch sind.

Welchem Zweck dienten die Erdwerke?
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