Archäologie
Archäologe: Raubgrabungen haben „erschreckende Ausmaße“

Die Plünderung archäologischer Stätten hat nach Ansicht des Frankfurter Archäologen Hans-Markus von Kaenel „weltweit erschreckende Ausmaße angenommen“. „Nie zuvor sind archäologische Stätten so systematisch zerstört worden wie in der Gegenwart“.

dpa FRANKFURT/MAIN. Die Plünderung archäologischer Stätten hat nach Ansicht des Frankfurter Archäologen Hans-Markus von Kaenel „weltweit erschreckende Ausmaße angenommen“. „Nie zuvor sind archäologische Stätten so systematisch zerstört worden wie in der Gegenwart“.

Als Gründe nannte der Leiter des Instituts für Archäologische Wissenschaften an der Universität Frankfurt in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa die Globalisierung, den technischen Fortschritt und die weltpolitische Lage. Dank des Internets existiere heute ein gut organisierter globaler Markt für Hehlerware. Mit Metallsonden könnten Raubgräber ganz systematisch arbeiten, statt auf Verdacht Löcher zu graben. Dritter Faktor sei die politische Destabilisierung ganzer Regionen.

Am schlimmsten sei die Situation im Irak. „Seit die staatlichen Strukturen zusammengebrochen sind, gibt es dort Raubgrabungen ungeheueren Ausmaßes.“ Die Plünderungen würden von international organisierten Banden durchgeführt, die bewaffnet und bisweilen am helllichten Tag tätig seien. Dramatisch sei die Lage auch in Bulgarien, Serbien und der Ukraine.

Die Räuber hätten es allein auf verkäufliche Objekte abgesehen, zum Beispiel auf Marmortafeln mit Inschriften. Keramiken und andere für den Markt wertlose Fundstücke zerschlügen sie. „Da wird die ganze Geschichte zerstört zu Gunsten von zehn Objekten, die einen Marktwert haben.“ Die Beute bekämen Archäologen nur selten zu sehen, meist verschwinde die heiße Ware in Privatsammlungen.

Gesetze helfen nach Ansicht des Archäologen nicht gegen die Plünderungen und Zerstörungen. Wichtiger sei es, politisch stabile Verhältnisse herzustellen, mafiöse Strukturen zu beseitigen und die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung zu verbessern. Von Kaenel wünscht sich auch ein entschiedeneres Eingreifen des Online-Auktionshauses ebay. „Wir verstehen alle nicht, dass ebay es nicht schafft, den Verkauf von Hehlerware zu unterbinden.“ Vorbildlich findet von Kaenel das Engagement Italiens.

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