Archäologie
Auf Goliaths Friedhof

Sie galten als Erzfeinde der Israeliten – ansonsten wirft das Volk der Philister aber noch viele Fragen auf. Jetzt haben Forscher einen Friedhof des Goliath-Volkes ausgegraben – und hoffen auf einige Antworten.

AschkelonJe feuchter desto besser, heißt die Devise für die Knochen. Die Zeit drängt. „Wir müssen sie wirklich rausholen, während sie noch feucht sind, sonst zerfallen sie zu Puder“, sagt Daniel Master, Leiter der Ausgrabung, während Freiwillige mit Pinseln und Holzstäbchen Skelette freilegen. Der amerikanische Archäologe schwitzt unter Planen neben dem Philister-Friedhof am Rande der israelischen Stadt Aschkelon. Die Knochen liegen seit nahezu 3000 Jahren in der Erde.

„Nach jahrzehntelangen Untersuchungen dessen, was die Philister zurückgelassen haben, stehen wir endlich den Menschen von Angesicht zu Angesicht gegenüber“, sagt Master an diesem Tag Ende Juni. „Mit der Entdeckung sind wir nahe daran, die Geheimnisse ihrer Herkunft zu entschlüsseln.“

Die Entdeckung des Philister-Friedhofs in der Hafenstadt Aschkelon bildet die Krönung einer 30 Jahre währenden Grabungskampagne. Denn das sagenumwobene Volk hinterließ zahlreiche bislang unbeantwortete Fragen nach seinem Ursprung und seiner Lebensweise, als seine Kultur vor 2600 Jahren vom Heer des Babylonier-Königs Nebukadnezar ausgelöscht wurde.

Die Philister werden in der Bibel als Erzfeinde der Israeliten beschrieben. Sie siedelten sich im zwölften Jahrhundert vor Christi Geburt in der Region südlich des heutigen Tel Avivs an. Woher sie kamen, ist allerdings unklar. Eine These lautet, sie stammten aus Zypern und sprachen eine Form des Griechischen.

„Sicher ist aber bisher nur, dass sie Fremde im semitischen Siedlungsgebiet waren, wo sie von 1200 bis 600 vor Christus im Küstengebiet zwischen Gaza und dem heutigen Tel Aviv lebten“, erläutert Master. Die Sprache des Händlervolks gehörte zur indoeuropäischen Familie.

Die Philister praktizierten keine Beschneidung, sie aßen Schweine- und Hundefleisch, wie Funde aus Gaza, Gat, Aschdod und Ekron belegen, den vier weiteren von ihnen gegründeten Städten. Neben den bislang dürftigen archäologischen Funden gab vor allem das Alte Testament einige Informationen über die Philister. Denn diese waren auch die direkten und zeitweise verfeindeten Nachbarn der im hügeligen Inland lebenden Israeliten.

So wird im Buch Samuel geschildert, wie die Philister die Bundeslade der Israeliten erbeuten. Im Anschluss kam es dann zum Duell des riesigen Kriegers Goliath mit dem listigen David, der dank einer Steinschleuder gewann.

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