Archäologie
Forscher rätseln über „Friedhof der Vampire“

Archäologen haben in Polen Skelette aus dem späten Mittelalter entdeckt. Die ungewöhnliche Bestattungsart könnte darauf hinweisen, dass den Begrabenen einst eine Auferstehung als Untote unmöglich gemacht werden sollte.
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Warschau/GliwiceDer Bau einer Umgehungsstraße in Gliwice (Gleiwitz) brachte sie ans Tageslicht und die Archäologen zum Grübeln: Vier Skelette mit abgetrennten Schädeln, die zwischen den Knien oder Händen der Toten bestattet waren. Die polnische Boulevardpresse hatte sofort eine Erklärung: „Vampirgräber gefunden!“ meldeten die Zeitungen aufgeregt.

Chefarchäologe Jacek Pierzak von der Denkmalschutzbehörde in Katowice (Kattowitz) versuchte da noch zu dämpfen: „Es ist noch zu früh, um Konkretes zu sagen.“

Doch mittlerweile sind 13 ähnliche Skelette gefunden worden, und mit jeder neuen Entdeckung steigt in Polen die Aufregung um den „Friedhof der Vampire“. Für die Wissenschaftler war es zunächst schwer, überhaupt Angaben zum Alter der Skelette zu machen - kein Schmuck, keine Kleidungsreste, keine Münzen. Nicht einmal ein Knopf war bei den Knochen zu finden.

Pierzaks Kollege Lukasz Obtulowicz sah dennoch klare Indizien für ein Vampirbegräbnis, etwa in den Steinen, mit denen die Schädel beschwert worden waren. „Das alles diente dem Schutz vor der Rückkehr der Vampire ins Leben“, sagte er in einem Fernsehinterview. „Es war eine der beliebtesten Bestattungsarten gegen Vampire“, räumt auch Pierzak ein.

Schätzungen zufolge stammen die Skelette aus dem 15. oder 16. Jahrhundert. Unter den Slawen gab es zu dieser Zeit durchaus Vampirglauben. Es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass es sich um Tote aus den Hussitenkriegen handelt oder um Hingerichtete - in der Nähe des Fundorts soll sich einst der Galgen befunden haben.

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Forscher rätseln über „Friedhof der Vampire“

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Noch ist das Geheimnis nicht gelüftet

Kommentare zu " Archäologie: Forscher rätseln über „Friedhof der Vampire“"

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  • In Syrien machen wir doch genau das Selbe, es wahren frühe Al Nusra Opfer.

  • @kah7

    ist doch wesenstlich komplexer. Eigentlich schon völlig falsch wenn man mit Nationalitäten das 15 Jahrhundert betrachten möchte. Gerade in dieser Region, die von unterschiedlichen Völkern geprägt war. Zur fraglichen Zeit gehörte Gleiwitz/Gliwice zum Herzogtum der schlesischen Piasten. Wie schwierig eine Bewertung ist, zeigt ja schon "schlesische Piasten"

    Was den 4+2 Vertrag angeht haben Sie natürlich Recht. Es gibt keine BRD, und wir haben alle einen Personalausweis...

  • Vielleicht waren das ja auch Politiker, die den Mund zu voll genommen hatten und flugs vom Volk entsorgt wurden?
    Quasi so eine Art Ur-Merkel und Frühschäuble!
    Deshalb auch keine Beigaben oder Kleider im Grab. Wer sich zu Lebzeiten schon die Taschen vollstopft braucht dann ja nix mehr!

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