Archäologie
Knochenreste im Paulus-Grab

Archäologische Sensation in Rom: Die katholische Kirche hat bei Untersuchungen Knochenreste im Grab des Heiligen Apostels Paulus entdeckt. Für Papst Benedikt XVI. steht fest, dass es sich um die sterblichen Überreste des Apostels handelt.
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HB ROM. Zum Abschluss des Paulus-Jahres hat Papst Benedikt XVI. am Sonntag in Rom eine archäologische Sensation bekanntgegeben: Das sogenannte Paulusgrab in Rom enthält vermutlich tatsächlich die Knochen des Apostels.

Archäologen hätten erstmals die Knochen in dem Sarkophag in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern wissenschaftlich untersucht. Und die Tests deuteten darauf hin, dass die Knochen tatsächlich vom „Apostel der Völker“ stammten, sagte Benedikt XVI. während eines Gottesdienstes. Am Montag begeht die Kirche den Namenstag von Paulus und Petrus.

Die Knochenteile wurden mit Hilfe der C-14-Methode auf das erste oder zweite Jahrhundert nach Christus zurückdatiert. In dem Sarkophag entdeckten die Archäologen neben den Knochen auch einige Körner Weihrauch, ein Stück purpurfarbenen Leinenstoffs mit Goldpailletten und ein blaues Gewebe mit Leinenfasern, berichtete der Papst.

„Dies scheint die einhellige und unbestrittene Tradition zu bestätigen, dass es sich um die sterblichen Überreste des Apostels Paulus handelt“, sagte Benedikt weiter mit Bezug auf die schon fast 2 000 Jahre alte christliche Überlieferung, wonach es sich um das Grab des Paulus handelt. Laut Volksglauben sollen Schädelfragmente des Heiligen in einer anderen Kirche in Rom, der Lateranbasilika beigesetzt sein.

Nach der Überlieferung war Paulus - oder hebräisch: Saulus - Sohn vermögender jüdischer Eltern. Nachdem er zunächst an Christenverfolgungen teilgenommen hatte, veränderte eine wundersame Begegnung mit Christus sein Leben. Er wurde Christ und Apostel und gilt zusammen mit Petrus als der bedeutendste frühchristliche Missionar. Im Jahr 67 soll er in Rom enthauptet und an der Via Ostiense bestattet worden sein, wo Anfang des vierten Jahrhunderts die mächtige Basilika „San Paolo fuori le Mura“ über seinem Grab gebaut wurde.

Vor etwa 500 Jahren wurde die Krypta mit dem Sarkophag geschlossen. Die Kenntnis vom genauen Ort des Grabes ging dann im Laufe der Jahre durch Umbauten, Restaurierungen und einen Brand verloren. Nach jahrelangen Bemühungen entdeckten die Archäologen schließlich 2005 einen römischen Sarkophag. Seit Dezember 2006 ist das Paulus-Grab nach 500 Jahren wieder der Öffentlichkeit zugänglich: Ein kleines Fenster unter dem Altar gibt den Blick auf eine Seite des Sarkophags frei.

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