Archäologie
Muschel nagt an größtem Bauwerk der Wikinger

Auch eine Folge des Klimawandels: Eingewanderte Muscheln nagen in der Schlei bei Schleswig am größten erhaltenen Bauwerk der Wikingerzeit, dem Danewerk. „Man kann nichts dagegen tun“, sagte Ostsee-Archäologe Willi Kramer zu dem Geschehen unter Wasser.

dpa SCHLESWIG. Auch eine Folge des Klimawandels: Eingewanderte Muscheln nagen in der Schlei bei Schleswig am größten erhaltenen Bauwerk der Wikingerzeit, dem Danewerk. „Man kann nichts dagegen tun“, sagte Ostsee-Archäologe Willi Kramer zu dem Geschehen unter Wasser.

Durch die Zunahme an Stürmen sei in den vergangenen Jahren mehr Salzwasser der Ostsee in die Schlei gedrungen. Damit seien die Lebensbedingungen für die Muschelsorte Schiffsbohrwurm (Teredo Navalis) in der Schlei-Förde deutlich attraktiver geworden.

Die Tiere greifen ein bedeutendes Erbe an: Der Verteidigungswall Danewerk gilt als größtes erhaltenes Wikinger-Zeugnis. Zum größten Teil verläuft er an Land. Die alten Dänen hatten aber auch in der Schlei im 8. Jahrhundert eine mehr als 1 100 Meter lange künstliche Meerenge aus fünf mal fünf Meter großen Holzblöcken errichtet. Ein nicht unter Schlick verborgener Teil der Anlage sei bedroht, sagte Kramer. Das heute ganz unter Wasser liegende Sperrwerk besteht aus Eiche und Erle. In der Neuzeit waren erste Spuren davon 1928 entdeckt worden.

Küstenbiologe Kai Hoppe ist Spezialist für den Schiffsbohrwurm. „Ein Hafenbecken zu vergiften bringt nichts. Er hält einfach drei Wochen lang die Luft an. Das Gewaltige ist seine Fortpflanzungskraft. Ein Weibchen legt bis zu drei Mal im Jahr Eier.“ Ein bis fünf Mill. Eier kommen so in zwölf Monaten zu Stande. Die Muschelart ist ein bis zu 60 Zentimeter langes wurmartiges Tier, beschreibt Hoppe. „Am Ende hat er eine so genannte Meißelschale, die geeignet ist, sich im Holz vorwärts zu raspeln.“ Das Prinzip sei sogar von Bauingenieuren kopiert worden. Hoppe: „In dieser Schildvortrieb-Bauweise ist etwa der Elbtunnel entstanden.“

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