Architektur
Baller-Software hilft beim Stadionbau

Architekten setzen bei großen Bauprojekten auf Programme aus Killer-Spielen. Denn was in den Ego-Shootern intelligente Monster erschafft, bringt auch schlaue Fans in die 3D-Programme der Architekten. Auf diese Weise optimieren sie die Planung von Sportarenen, Flughäfen oder Wolkenkratzern.

KÖLN. Die Stadt der Superlative hat ein neues Prachtstück: Am Donnerstag haben die New York Yankees ihr Stadion eingeweiht. 52 000 Zuschauer finden in der neuen Spielstätte des amerikanischen Baseball-Rekordmeisters Platz. In dem mit Baukosten von 1,5 Mrd. Dollar teuersten Stadion der Welt wollen die Yankees an erfolgreiche Zeiten anknüpfen.

Für die Architekten stand bei der Eröffnung allerdings weniger der Sport als die Funktionstüchtigkeit der Super-Arena im Vordergrund. Die US-Tochtergesellschaft Turner des Essener Baukonzerns Hochtief hat nicht nur eines der teuersten, sondern auch eines der modernsten Stadien errichtet. Für Komfort ist gesorgt: Luxus-Restaurants und Geschäfte garantieren Shopping-Vergnügen, dazu verwöhnen gepolsterte Sitze und mehr als 1 000 Flachbildschirme in allen Stadionbereichen die Zuschauer.

Doch die neue Arena ist nicht nur "schöner, größer und gewaltiger", wie New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg schwelgt, sondern sie bietet auch eine nie dagewesene Sicherheit. Die Planer der amerikanischen Architekturfirma Populous - vormals HOK Sport - haben für alle Fälle vorgesorgt: Falls es zu einer Massenpanik kommt, wissen sie genau, wo die Flüchtenden die Notausgänge suchen und wie sie auf Kollisionen mit anderen Fans reagieren werden. Dabei haben sie eine hochentwickelte Software eingesetzt, die auf sogenannten Killerspielen beruht - wie etwa das in Deutschland verbotene Doom.

Was in den Ego-Shootern intelligente Monster erschafft, bringt auch schlaue Fans in die 3D-Programme der Architekten. Das Bauberatungsunternehmen Hatch Mott MacDonald aus dem amerikanischen Bundesstaat New Jersey entwickelte eine Software, die sich in das Architekturprogramm der US-Firma Autodesk einbetten lässt. Damit konnten sie das gesamte Yankees-Stadion mitsamt aller Wege und Ausgänge simulieren - und das schon vor dem ersten Spatenstich. In die virtuelle Welt pferchten sie dann 52000 künstliche Wesen, verpassten ihnen den Befehl, den schnellsten Weg nach draußen zu suchen - und schickten sie los. Norman Rhodes, Vizepräsident von Hatch Mott MacDonald, ist von den Ergebnissen begeistert: "Wir gewinnen ganz neue Einsichten, wie sich die Architektur auf das Verhalten der Menschen auswirkt - und können Projekte dementsprechend planen."

Und es geht um mehr als Notausgänge: Das Yankees-Stadion ist nicht nur eine der sicherste Sportstätten der Gegenwart - sondern auch eine der besucherfreundlichsten. Mithilfe der Software konnten die Experten analysieren, wie lange Zuschauer von ihren jeweiligen Sitzplätzen zu den nächsten Toiletten brauchen - und so die optimalen Orte für den Einbau ermitteln. Auch für die Werbeindustrie haben sie wertvolle Informationen zusammengetragen. Versammeln sich viele Besucher in bestimmten Ecken des Baus, kann der Vermarkter Plätze für Werbeplakate dort teurer verkaufen.

Für die Architekten ist das weit mehr als Spielerei - es bringt ihnen bares Geld. Denn der Einsatz der künstlichen Intelligenz hat die Notwendigkeit von Nacharbeiten und Überarbeitungen auf ein Minimum reduziert. Die Kosten für solche Extra-Arbeiten machen bis zu 25 Prozent des gesamten Budgets eines Bauprojektes aus, sagt Diane Holland, Vorstandschefin der US-Softwarefirma Massive. "Die 3D-Modellierung minimiert dieses Risiko und hilft so, Geld zu sparen. Zudem beschleunigt sie die Konstruktion und macht die Sportstätten sicherer. Wir sehen den Tag voraus, an dem Versicherungsunternehmen Rabatte für Designs anbieten, die mit Software auf ihre Sicherheit hin getestet wurden." Auch die Geldgeber zeigen sich erfreut: "Die 3D-Simulation erlaubt es allen Beteiligten - nicht nur den Bau-Profis -, bei Planung und dem Design ihre eigenen Ideen einzubringen", sagt Holland.

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