Ariane-Chef Josef Kind im Interview: Ariane 5: "Natürlich gehen wir von einem Erfolg aus"

Ariane-Chef Josef Kind im Interview
Ariane 5: "Natürlich gehen wir von einem Erfolg aus"

Der Start der neusten Ariane-Rakete, der Ariane 5 ECA, verschiebt sich vom Freitag auf Samstag. Zum ersten Mal wollen die Europäer zehn Tonnen Nutzlast ins All schießen. Gelingt das Vorhaben, verfügt Europa über die leistungsfähigste Trägerrakete der Welt.

MÜNCHEN. Im Interview sagt Josef Kind, Präsident der EADS Space Transportation, wie sein Unternehmen einen Fehlstart wie beim vorherigen Testflug vermeiden will, und wie es bei einer erneuten Panne weitergeht. EADS Space ist eine Tochter des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. Die Sparte Transportation beschäftigt 4 700 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von 1,1 Mrd. Euro. Sie produziert die Ariane-Trägerraketen und Antriebe.

Handelsblatt.com: Was wurde in den vergangenen beiden Jahren getan, um eine erneute Panne zu vermeiden?

Josef Kind: Nach der Auswertung des ersten Flugs haben wir das Haupttriebwerk nachhaltig modifiziert. Der Motor ist jetzt robuster, wird stärker gekühlt und ist unter Vakuumbedingungen getestet. Ebenso haben wir die deutsche Oberstufe nochmal auf Herz und Nieren überprüft. Industrie und staatliche Forschungseinrichtungen haben alles getan, um die Trägerrakete optimal vorzubereiten. Dennoch: Es ist ein Testflug und verschiedene Dinge können wir auf der Erde vorher einfach nicht testen.

Auch die Amerikaner hatten zuletzt Probleme, zehn Tonnen Nutzlast auf einmal in den All zu schießen. Stößt die Raumfahrt an ihre Grenzen?

In der Raumfahrt schieben wir die Grenze immer ein kleines Stück weiter nach vorne. So auch mit der neuen Ariane 5 ECA. Fortschritt, Wachstum und damit Wohlstand für uns alle bedingen das Eingehen von Risiken. Dank gebührt der Bundesregierung, die Ariane und somit Europas unabhängigen Zugang zum Weltraum unterstützt.

Wie ernst ist der Grund für die Startverschiebung um 24 Stunden ?

Bei einem Routinetest im Vorfeld des Starts wurde ein defektes Bauteil in den Bodenanlagen identifiziert. Das wird jetzt ausgetauscht - ein Beleg für die professionelle Arbeit der Teams am europäischen Weltraumbahnhof in Kourou. Jetzt kann uns eigentlich nur noch das Wetter dazwischen kommen.

Natürlich gehen wir alle von einem Erfolg aus. Die für diesen Qualifikationsflug verantwortliche ESA hat deshalb den Start freigegeben. Wenn der Start dennoch nicht nominal verlaufen sollte, werden zwei Dinge geschehen: Erstens haben wir für unsere Kunden die Standardversion der Ariane 5 auf Lager. Zweitens werden die europäischen Regierungen politisch zu entscheiden haben, wie es mit der neuen Ariane ECA weitergeht.

Was sind die Folgen für EADS Space im besonderen?

Wir haben im Mai 2004 mit Arianespace den Vertrag über die Produktion von 30 Ariane 5 unterzeichnet. Die teilen sich in fünf Standardversionen und 25 Exemplare der neuen ECA auf. Ein Problem mit der neuen ECA Version würde sicherlich eine Anpassung dieses Vertrages bedeuten.

Seit neun Monaten ist EADS Space Generalunternehmer für den Bau der Ariane. Kann das Unternehmen seine Versprechungen halten und 30 Starts in den kommenden acht Jahren bewerkstelligen?

Wir hätten diesen Produktionsvertrag nicht unterschrieben, wenn wir ihn nicht erfüllen könnten. Eine der Voraussetzungen war, dass wir mit diesem Vertrag die Generalunternehmerschaft über den Bau der Rakete übernehmen. Wir haben intern und mit unseren Zulieferern alle Voraussetzungen geschaffen, um den Vertrag umzusetzen. Unsere Produktionskapazitäten in Deutschland und Frankreich würden auch eine größere Stückzahl zulassen.

Und wie sieht es mit den Kostensenkungen aus? Der Preis eines Starts soll sich um die Hälfte verringern. Was kostet denn einen Kunden ein Start?

Zum Startpreis kann ich nichts sagen. Das ist Angelegenheit von Arianespace, die die Startdienstleistung vertreibt. Wir haben uns gegenüber Arianespace zu eindeutigen Preisen verpflichtet. Richtig ist, dass wir auf Industrieseite unseren Preis gegenüber Arianespace verglichen mit dem ersten Produktionslos deutlich reduziert haben.

EADS Space hat drei Jahre hohe Verluste geschrieben. Ist die Sanierung geschafft und der Sprung in die schwarzen Zahlen 2004 geglückt?

Der Vorstandsvorsitzende der EADS Space, Francois Auque, hat angedeutet, dass das Ziel für 2004 - nämlich der Break-even [das Erreichen der Gewinnschwelle] - erreicht wird. Nach den extrem schwierigen letzten Jahren wäre das ein enormer Erfolg für uns. Sie dürfen nicht vergessen, dass der kommerzielle Markt zusammengebrochen war und die staatlichen Investitionen in die Raumfahrt begrenzt sind. Die endgültigen Zahlen werden anläßlich der EADS-Bilanzpressekonferenz in wenigen Wochen bekannt gegeben.

Bis 2006 soll eine Umsatzrendite von sechs Prozent erzielt werden. Ist das realistisch?

Dies ist ein realistisches Ziel, das wir für erreichbar halten. Verstehen Sie bitte, dass ich auch zu diesem Punkt vor der EADS-Bilanzpressekonferenz keine genauen Angaben machen kann.

Der Bereich Transport soll 700 Stellen streichen, vor allem in Deutschland. Ist da das letzte Wort schon gesprochen?

Das ist so nicht richtig. Richtig ist, dass die großen Entwicklungsprogramme Ariane 5, ATV und Raumstation bald beendet sind. In Deutschland haben wir wichtige Entwicklungsanteile davon abarbeiten können. Wenn es nicht gelingt, neue Entwicklungsprogramme aufzusetzen, wäre ein gewisser Anteil der von Ihnen genannten Stellen betroffen. Wir erwarten von der ESA-Ministerkonferenz Ende des Jahres in Deutschland die Entscheidungen für neue Programme. Wir als Raumfahrtindustrie haben bereits alles getan, damit aus jedem deutschen Raumfahrt-Euro so viel Nutzen wie nur möglich herauskommt. Jetzt ist die Politik dran.

Letzte Frage: Wo werden Sie während des Count-down sein, und was werden Sie tun?

Ich werde dort sein, wo ich als Chef des Unternehmens hingehöre: bei meinen Mitarbeitern in Bremen. Den Moment des Starts möchte ich mit den Menschen verbringen, die das alles möglich machen.

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