Artenschwund

Australien kämpft mit eingeschleppten Raubtieren

Ein Drittel der weltweit mehr als 80 Landsäugetierarten, die in den letzten 200 Jahren ausstarben, waren einst in Australien zu Hause. Die einzigartige Tierwelt des Kontinents wird durch eingeschleppte Arten dezimiert.
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Selbst kleinere Känguruarten sind vor den eingeschleppten Räubern nicht sicher. Manche Arten überlebten daher nur auf Inseln, die noch nicht von Fuchs und Katze kolonisiert wurden. Quelle: dpa

Selbst kleinere Känguruarten sind vor den eingeschleppten Räubern nicht sicher. Manche Arten überlebten daher nur auf Inseln, die noch nicht von Fuchs und Katze kolonisiert wurden.

(Foto: dpa)

DarwinDie einzigartige Tierwelt Australiens schrumpft laut einer neuen Studie alarmierend schnell. Säugetiere sind dort stärker vom Aussterben bedroht als in anderen Weltregionen, berichten australische Forscher nach Auswertung rund 3000 Studien in den „Proceedings“ der US-nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“).

Ein Drittel der weltweit mehr als 80 Landsäugetierarten, die in den letzten 200 Jahren ausstarben, waren demnach einst in Australien zu Hause. Als Schuldige machen die Forscher vor allem eingeschleppte Arten wie Katzen und Rotfüchse aus. Für sie sind die heimischen Tiere leichte Beute.

In vielen Ländern sind Tiere gefährdet oder ausgestorben, weil Menschen ihren Lebensraum beschnitten haben. Im dünn besiedelten Australien ist es anders. Die Tiere haben zwar Platz, werden aber von Raubtieren gejagt, die eigentlich nicht auf den Kontinent gehören: Fuchs und Katze wurden im 17. und 18. Jahrhundert aus Europa eingeführt. Sie haben sich über Dreiviertel des Kontinents ausgebreitet.

Von Magnetfeld-Pinklern und hölzernen Klimaanlagen
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Platz 10: Clevere Äffchen

Weißbüschelaffen können mit Lehrvideos etwas anfangen - jedenfalls wenn es darum geht, Leckereien aus einer Kiste zu holen. Den meisten der in Südamerika heimischen Tiere gelang das, nachdem sie im brasilianischen Dschungel per Video Artgenossen zugesehen hatten, die den Kistentrick schon beherrschten.

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Platz 9: Pinkelnde Hunde

Die treuesten Freunde des Menschen erledigen ihr Geschäft nicht irgendwie, sondern richten sich nach dem Magnetfeld der Erde aus. Und zwar ganz unabhängig von der Rasse. Für diese Erkenntnis bekam ein Team von Wissenschaftlern den Ig-Nobelpreis für kuriose Forschung.

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Platz 8: Dumbo-Oktopus

Seinen Spitznamen verdankt der Grimpoteuthis bathynectes seinen Flossen, die sehr an Elefantenohren erinnern. In diesem Jahr wurde im Golf von Mexiko zum ersten Mal einer dieser Tiefsee-Oktopusse dabei gefilmt, wie er seine Arme spiralförmig aufrollt – ein putziger Anblick.

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Platz 7: Tanzender Frosch

Weil lautes Wasserrauschen ihr Quaken übertönt, haben die Frösche der Gattung Micrixalus sich etwas einfallen lassen: Um Weibchen zu umgarnen, strecken sie ihr langes Hinterbein hoch in die Luft und setzen es elegant wieder ab.

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Platz 6: Reisende Echsen

Eidechsen sind Meister der Tarnung. Weil sie als blinde Passagiere auf Schiffen oft unentdeckt bleiben, kommen sie weit rum – und breiten sich auch dort aus, wo man sie nicht unbedingt vermuten würde.

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Platz 5: Rudel-Roboter

Sie sind eigentlich gar keine Tiere – aber benehmen sich ein bisschen so. Die nur pfenniggroßen Geräte können alle zusammen einen Plan verfolgen und sich zu vorgegebenen Formen zusammenstellen. Das Prinzip: Der Einzelne muss nicht allzu klug sein, in der Masse kommt trotzdem was dabei raus.

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Platz 4: Frisurbewusste Affen

Ganz ohne Spiegel und Fön tragen diese Primaten eine beeindruckende Haarpracht zur Schau. Fünf neue Arten der Sakiaffen wurden in diesem Jahr entdeckt, man hatte sie bisher fälschlicherweise für Unterarten gehalten.

Das Ausmaß des Verlustes sei bislang nicht bekannt gewesen, so John Woinarski von der Charles Darwin-Universität in Darwin, einer der Autoren der Studie. Die Regierung liste 20 Arten als ausgestorben auf, in Wirklichkeit seien es mindestens 28. Es müsse viel mehr für den Schutz der bedrohten Arten getan werden: „Australier geben sechs Milliarden Australische Dollar (etwa 4 Milliarden Euro) im Jahr für Haustiere aus – mehr, als die Regierung für den Schutz gefährdeter Arten hergibt.“

Weile viele heimische Säugetiere fernab der Menschen lebten, sei Australiern der Verlust der Fauna kaum bewusst, sagt Woinarski. „Und viele der gefährdeten Arten haben leider auch nicht das Charisma größerer Säugetiere. Viele sind Nachttiere und zudem scheu, also im Bewusstsein der Menschen nicht so präsent.“ Ausgestorben sind etwa das Nacktbrustkänguru (Caloprymnus campestris) oder die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte (Melomys rubicola).

In den vergangenen 200 Jahren starben mehr als zehn Prozent der einst 273 einheimischen Landsäugetiere aus, schreiben Woinarski und Kollegen in der Studie. In den USA sei es im gleichen Zeitraum nur eine Art gewesen. Jede fünfte Species gelte auf den fünften Kontinent als bedroht. Es deute alles darauf hin, dass weiter alle zehn Jahre ein bis zwei Arten aussterben.

„Wir haben mindestens zehn Arten, von denen es weniger als 1000 Exemplare gibt“, sagt Woinarski. Dagegen würden die Populationen der wildlebenden Katzen und Füchse auf je 10 bis 20 Millionen geschätzt. Sie richteten mit Abstand den größten Schaden an.

Mit Giftködern gegen Füchse und Katzen
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