Forschung + Innovation
Artentod löst Kettenreaktion aus

Das Aussterben von Tieren und Pflanzen setzt eine Kettenreaktion in Gang und ist damit weitaus dramatischer als bisherige Prognosen vermuten lassen.

dpa WASHINGTON. Das Aussterben von Tieren und Pflanzen setzt eine Kettenreaktion in Gang und ist damit weitaus dramatischer als bisherige Prognosen vermuten lassen.

So kann das Verschwinden einer einzigen Tierart wie der südamerikanischen Wanderameise Eciton burchelli bis zu 100 Vogel-, Käfer- und Milbenarten ihrer Existenzgrundlage berauben und viele von ihnen verschwinden lassen.

Diese Berechnungen stellt ein internationales Forscherteam im US- amerikanischen Wissenschaftsmagazin „Science“ (Bd. 305, S. 1632) vom Freitag vor.

Die Wissenschaftler warnen, dass die bisherigen Zahlen bedrohter Arten nicht das Gesamtbild reflektieren. Nach ihren Kalkulationen muss die Welt zusätzlich mit dem Verschwinden von 6300 „abhängigen“ Arten rechnen. Im Jahr 2003 hatte die Weltnaturschutzunion (Iucn) 12 259 Arten als gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht aufgelistet.

Insbesondere in komplexen Lebensräumen wie dem tropischen Regenwald seien viele Tierarten voneinander abhängig, schreibt die Gruppe um den Biologen Lian Pin Koh von der Universität Singapur. Sterbe eine „Schlüsselart“ aus, ziehe sie oft viele abhängige Arten nach sich. Derartige Abhängigkeiten bestehen beispielsweise zwischen Beute- und Raubtier, Wirt und Parasit oder Pflanzen und auf sie spezialisierte Pflanzenfresser.

Die Kettenreaktion nach einem Artentods hat laut „Science“ bisher wenig Beachtung gefunden. So habe es lange gedauert, bis der Verlust tropischer Schmetterlinge in Singapur mit dem Aussterben jener Pflanze in Verbindung gebracht wurde, von der sich die Raupen der Falter ernähren.

Ein anderes Beispiel liefert die Bedrohung eines Parasites, der Taubenlaus Columbicola extinctus, durch das Aussterben der Wandertaube Ectopistes migratorius. Allerdings sei diese Laus auch eine Ausnahme. Sie habe ihr Schicksal inzwischen selbst in die Hand genommen und nach dem Aussterben der Taube andere Arten gefunden, die ihr Nahrung „frei Haus“ bieten.

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