Astronomen entdecken
„Cousin der Erde“ entdeckt

Erstmals haben Astronomen einen erdähnlichen Planeten bei einem normalen Stern außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt.

dpa ARLINGTON. Der Begleiter des Sterns Gliese 876 im Sternbild Wassermann mute an „wie der große Cousin der Erde“, berichteten die Forscher am Montag (Ortszeit) auf einer Pressekonferenz in Arlington (US-Staat Virginia). Der Planet hat etwa den doppelten Durchmesser und die 7,5fache Masse der Erde. Damit ist er der kleinste so genannte Exoplanet, der bislang außerhalb unseres Sonnensystems gefunden worden ist. Für Leben ist es auf ihm aber zu heiß.

Die Entdeckung beantworte eine seit der Antike offene Frage, meinte Teamleiter Geoffrey Marcy von der Universität von Kalifornien in Berkeley. „Schon vor mehr als 2000 Jahren haben die griechischen Philosophen Aristoteles und Epikur diskutiert, ob es andere, erdähnliche Planeten gibt. Jetzt haben wir erstmals einen Beleg für einen Gesteinsplaneten bei einem normalen Stern gefunden.“

Die Beobachtungen legten nahe, dass es sich um einen Gesteinsplaneten wie die Erde mit einem Eisenkern handele. Alle rund 150 bei normalen Sternen bislang gefundenen Planeten seien dagegen größer als der Gasriese Uranus in unserem Sonnensystem. Drei andere vermutliche Gesteinsplaneten kreisten um den Überrest eines ausgebrannten, explodierten Sterns, einen so genannten Pulsar.

Dank der verfeinerten Beobachtungstechnik am Keck-Observatorium auf Hawaii, die die Entdeckung möglich machte, hoffen die Forscher, auch in der lebensfreundlichen Zone in der Nähe von normalen Sternen erdähnliche Planeten aufspüren zu können. Der Planet verriet sich durch seine Schwerkraft, die den Stern leicht hin und her bewegt.

Bei der Heimatsonne des kleinen Exoplaneten hatten Forscher bereits zwei große Planeten nachgewiesen. Der nun entdeckte Begleiter umkreist Gliese 876 in knapp zwei Tagen und ist nur etwa ein Fünfzigstel so weit von ihm entfernt wie die Erde von der Sonne. Auf seiner Oberfläche dürfte es daher 200 bis 400 Grad Celsius heiß sein, was Leben in uns bekannten Formen ausschließe.

Gliese 876 gehört zur Klasse der häufigsten Sterne in der Milchstraße. Mit 15 Lichtjahren Entfernung ist er einer unserer Nachbarsterne und nur wenig weiter entfernt als der nächste Nachbar der Sonne, der rund vier Lichtjahre entfernte Proxima centauri im Sternbild Zentaur. Zum Vergleich: Unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße, hat einen Durchmesser von etwa 100 000 Lichtjahren. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt, und entspricht knapp zehn Billionen Kilometern.

Die Forscher stellen den Planenten in einer der kommenden Ausgaben des Fachblatts „The Astrophysical Journal“ vor.

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