Astronomie
Das Ende der Erde

Astronomen sagen der Erde ein düsteres Schicksal voraus: Von einer entfesselten Sonne heimgesucht, wird sie sich in eine lebensfeindliche Gluthölle verwandeln, um schließlich von unserem Zentralgestirn verschlungen zu werden. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

HEIDELBERG. Die schlechte Nachricht: Unsere Sonne wird sich zu einem Riesenstern aufblähen und dabei unseren Heimatplaneten verschlingen. Die gute Nachricht: Wir haben noch ein wenig Zeit bis dahin.

Nichts ist ewig im Universum, und so kann auch die Erde ihrem Schicksal nicht entgehen. In ferner Zukunft werden die Ozeane austrocknen und die Landmassen verglühen. Schuld daran ist ausgerechnet die Sonne, die bereits seit Jahrmilliarden für lebensfreundliche Bedingungen auf unserem Planeten sorgt. Eines Tages wird ihr Vorrat an Brennstoff weitgehend erschöpft sein. Dann hört sie nicht einfach auf zu leuchten, sondern geht in ein Entwicklungsstadium über, das wir bisher nur von so genannten Riesensternen kennen. Diese gigantischen Glutbälle sind so groß, dass sie bis weit über die Bahn der Erde hinaus reichten, wenn man sie in die Mitte unseres Sonnensystems verpflanzen würde.

Heute befindet sich die Erde in komfortablem Abstand zur Sonne. Rund 150 Millionen Kilometer trennen uns von ihrer brodelnden Oberfläche. Gerade weit genug weg, um für angenehme Temperaturen zu sorgen, Wasser flüssig zu halten und Leben zu ermöglichen. Doch in etwa sieben Milliarden Jahren wird sich die Sonne in einen Riesenstern verwandeln und dabei ihren Durchmesser um mehr als das Zweihundertfache vergrößern. Dabei wird sie zunächst die inneren Planeten Merkur und Venus verschlingen und unserer Erde gefährlich nahe kommen.

Schon lange vermuteten Astronomen, dass auch unser Heimatplanet von der sich aufblähenden Sonne verschluckt wird. Aber es gab auch Gegenstimmen, die meinten, die Sonne würde in diesem Stadium so viel Masse verlieren, dass die Erde nicht mehr so stark durch die Gravitation gebunden wäre und sich deshalb die Erdbahn weiter nach außen verlagern würde. Einige der wichtigen Faktoren, die den genauen Verlauf des Szenarios bestimmen, konnten erst kürzlich genauer ermittelt werden. Klaus-Peter Schröder, ein aus Hamburg stammender Astrophysiker, der an der Universität Guanajuato in Mexiko forscht, stellt in der Juli-Ausgabe von "Sterne und Weltraum" seine aktuellen Forschungsergebnisse vor.

Wie Schröder herausfand, wird die Sonne beim Übergang in das Riesenstadium rund ein Drittel ihrer Masse als Sonnenwind ins All hinaus blasen. Dadurch steht sie selbst unter verringerter Gravitation und wird sich noch weiter aufblähen als bisher vermutet. Den heutigen Radius der Erdbahn wird sie um zwanzig Prozent überschreiten. Aber auch die Erdbahn sollte sich wegen der verringerten Anziehungskraft der Sonne weiter nach außen verlagern, auf das 1,5-Fache des heutigen Wertes.

Auf den ersten Blick scheint damit die Erde dank des solaren Massenverlustes gerettet zu sein. Schröders Analyse zeigt jedoch, dass die Gezeitenwechselwirkung mit der nahen Sonnenoberfläche doch das Schicksal der Erde besiegelt: Dieser Effekt bremst die Erde auf ihrer Bahn und verhindert, dass sie sich weiter nach außen bewegt. Noch bevor die Sonnenoberfläche die Erdbahn erreicht hat, steigt die Bremswirkung auf unseren Planeten stark an. Damit ist das Schicksal der Erde besieglt: Sie stürzt in den Stern hinein, den sie mehr als zehn Milliarden Jahre lang in sicherem Abstand umrundet hat.

Quelle: Sterne und Weltraum, 7/2008

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