Astronomie
Ein ganz normales Schwarzes Loch

Mitunter sind es die ganz normalen Dinge, für die sich Astronomen begeistern können. Zum Beispiel ein „normales“ Schwarzes Loch, das in 12 Millionen Lichtjahren Entfernung entdeckt wurde.
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DüsseldorfAstronomen sind keineswegs immer nur auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen. Auch ein auf den ersten Blick „normales“ Objekt kann sie mitunter in Verzückung versetzen. So geschehen mit Mark Burke von der Birmingham University: Der Astronom stieß bei einer Untersuchung der 12 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie Centaurus A auf ein auffällige Quelle von Röntgenstrahlung, die sich bei genauerer Betrachtung als ein ganz normales Schwarzes Loch entpuppte.

Nun lässt sich sicher trefflich darüber streiten, was an einer zerstörerischen, alles verschlingenden Schwerkraftfalle, die von einem Millionen Grad heißen Materiestrudel umspült wird, normal sein kann. Tatsächlich kennen Astronomen unterschiedliche Typen von Schwarzen Löchern: Zum Beispiel riesige Gravitationsmonster mit vielen tausend Sonnenmassen, die die Zentren von Galaxien wie unserer Milchstraße dominieren und die vermutlich durch das Verschmelzen von kleineren Löchern entstanden sind.

Das Gegenstück am unteren Ende der Masseskala bilden stellare Schwarze Löcher, die als Folge einer Sternexplosion, einer Supernova, entstanden sind. Solche Explosionen schleudern die äußeren Gasschichten des Sterns mit unvorstellbarer Gewalt ins All hinaus, während der Kernbereich zu einem extrem kompakten Objekt kollabiert, dessen enormer Gravitation nicht einmal Licht entfliehen kann – einem Schwarzen Loch eben. Anders als die supermassiven Löcher in den galaktischen Zentren sind solche stellaren Objekte recht verbreitet – sie bilden gewissermaßen den Normalfall.

Einer solchen Schwerkraftfalle kamen Burke und seine Kollegen in Centaurus A auf die Spur. Was den Fund der britischen Wissenschaftler bei aller Normalität zu etwas Besonderen macht, ist seine gewaltige Entfernung: Stellare Schwarze Löcher kennen Astronomen sonst nur aus unserer kosmischen Nachbarschaft, der Lokalen Gruppe – einem Galaxienhaufen, der von unserer Milchstraße und dem gut zwei Millionen Lichtjahre entfernten Andromedanebel dominiert wird.

Mit 12 Millionen Lichtjahren ist das Schwarze Loch in Centaurus A deutlich weiter entfernt – und bietet den Astronomen damit die Möglichkeit, ihre Modelle zur Entstehung und Verteilung dieser Objekte auf den Prüfstand zu stellen. „Bislang hatten wir große Probleme, solche ‚normalen’ Schwarzen Löcher in anderen Galaxien aufzuspüren – obwohl wir wissen, dass es sie geben muss“, erläutert Burke. „Um unser Verständnis von der Sternentwicklung zu überprüfen, müssen wir nach solchen Objekten suchen, auch wenn sie über große Entfernungen hinweg nur schwer zu entdecken sind.“

Burke und seine Kollegen wollen nun mehr als 50 weitere Röntgenquellen in Centaurus A ins Visier nehmen und prüfen, ob es sich auch bei diesen Objekten um Schwarze Löcher handelt.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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