Astronomie
Ein Planet auf tödlicher Bahn

Das war’s dann wohl für Ogle-TR-113b: Der 1800 Lichtjahre entfernte Planet nähert sich allmählich seinem Zentralgestirn, wie Astronomen jetzt nachweisen konnten. Der finale Absturz scheint unausweichlich.
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DÜSSELDORF. Auch Planeten leben nicht ewig. Unsere Erde zum Beispiel wird wohl in einigen Milliarden Jahren von der Sonne geschluckt werden, die bis dahin auf ein Vielfaches ihrer heutigen Größe angewachsen sein wird. Ein anderes Schicksal droht dem Exoplaneten Ogle-TR-113b, der in 1800 Lichtjahren Entfernung einen sonnenähnlichen Stern umkreist. US-Astronomen haben jetzt Daten veröffentlicht, die darauf hindeuten, dass der Planet in seinen Zentralstern stürzt.

Ogle-TR-113b ist etwas größer als Jupiter, der größte Planet unseres Sonnensystems, umkreist seinen Stern allerdings auf deutlich engerer Umlaufbahn. Dabei zieht er, von der Erde aus betrachtet, immer wieder in Sichtlinie vor dem Stern vorbei und schwächt dessen Leuchtkraft um einen winzigen Bruchteil ab – ein Phänomen, das Wissenschaftler als „Transit“ bezeichnen. Es waren diese Schwankungen im Sternenlicht, die Astronomen letztlich auf die Spur des Planeten brachten – der ansonsten unsichtbar bleibt, weil er durch das helle Zentralgestirn überstrahlt wird.

Elisabeth Adams und ihre Kollegen vom Massachusetts Institute of Technology untersuchten nun Daten aus der Zeit zwischen 2002 – dem Jahr der Entdeckung des Planeten – und 2009. Dabei stießen sie auf winzige Veränderungen in der Umlaufzeit von Ogle-TR-113b: Mit jedem Erdenjahr verringerte sich der Abstand zwischen zwei Planeten-Transits - zwar nur im Millisekunden-Bereich, doch eindeutig messbar. Ein Indiz dafür, dass der Planet seiner Sonne immer näher kommt.

Derzeit beträgt der Abstand zwischen Stern und Planet etwa zwei Prozent des Abstands Erde-Sonne. Bei dieser Entfernung dürfte es rund 1,4 Millionen Jahre dauern, bis Ogle-TR-113b sein dramatisches Finale erlebt. Eine kleine Überlebenschance bleibt dem Planeten allerdings noch, wie die Forscher im Fachmagazin „Astrophysical Journal“ ausführen: Die ungewöhnliche Planetenbewegung könnte auch auf die Nähe eines zweiten Sterns hinweisen, der die Bahn von Ogle-TR-113b beeinflusst.

Dann wäre der vermeintliche Absturz in Wirklichkeit eine Bewegung des gesamten Stern-Planetensystems in Richtung auf die Erde zu. Allerdings schätzen die Forscher selbst diese Möglichkeit als sehr gering ein. Anfang kommenden Jahres wird sich für sie erneut die Möglichkeit ergeben, Ogle-TR-113b zu beobachten. Dann wird sich das künftige Schicksal des Planeten endgültig bestimmen lassen.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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