Astronomie
Forscher finden Hinweise auf erdähnlichen Planet

US-Wissenschaftler haben möglicherweise einen erdähnlichen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Der Planet Gliese 581 g umkreist einen roten Zwergstern in einer Entfernung, welche die Existenz von flüssigem Wasser möglich macht - ein wichtiger Baustein für die Entstehung von Leben.
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DÜSSELDORF. US-Planetenjäger melden einen spektakulären Fund: Bei der Untersuchung eines rund 20 Lichtjahre entfernten Sterns fanden sie Hinweise auf einen Planeten, der unserer Erde ähneln könnte. Gliese 581 g – so der Name des Trabanten – umkreist sein Zentralgestirn innerhalb der sogenannten „bewohnbaren Zone“ – jenem Bereich, in dem flüssiges Wasser auf der Planetenoberfläche sowie eine stabile Atmosphäre vorhanden sein können. „Durch Bestimmung der Umlaufbahn konnten wir zudem ableiten, dass die Oberflächentemperatur des Planeten der unserer Erde ähnelt“, so Nader Haghighipour von der Universität Hawaii, einer der an der Untersuchung beteiligten Astronomen.

Gliese 581 g ist vermutlich 20 bis 40 Prozent größer als die Erde und besitzt drei- bis viermal so viel Masse. Für einen Umlauf um seinen Zentralstern – der von Astronomen als Gliese 581 bezeichnet wird – benötigt er nur knapp 37 Tage. Dass der Planet bei dieser engen Umlaufbahn trotzdem ein der Erde vergleichbares Temperaturspektrum aufweist – nach Schätzungen zwischen minus 4 und plus 71 Grad Celsius – liegt an der Beschaffenheit des Zentralsterns: Er wird zu den Roten Zwergen gezählt, eine vergleichsweise kleine und kühle Sternenklasse.

Auf die Spur von Gliese 581 g kamen die Wissenschaftler durch winzige „Wackler“ in der Sternenbahn. Sie werden durch die Gravitation des begleitenden Planeten ausgelöst und lassen sich im Sternenlicht nachweisen. Allerdings sind die beobachtbaren Schwankungen derart gering, dass sehr genaue Untersuchungen notwendig sind, um sichere Informationen über die Beschaffenheit eines solchen Exoplaneten gewinnen zu können. Im Fall von Gliese 581 g dauerte es insgesamt 11 Jahre, bis die Wissenschaftler genügend Indizien zusammengetragen hatten.

„Es ist harte Arbeit, einen solchen Planeten aufzuspüren“ bestätigt Steven Vogt von der University of California, einer der Entdecker von Gliese 581 g. „Jede Messung der Radialgeschwindigkeit des Sterns kostete einen ganzen Abend Beobachtungszeit am Teleskop. Insgesamt waren mehr als 200 Einzelbeobachtungen nötig, um den Planeten aufzuspüren.“ Führt man sich vor Augen, wie rar und teuer Beobachtungszeit an Großteleskopen wie dem Keck-Teleskop auf Hawaii, mit dem die Wissenschaftler in diesem Fall arbeiteten, ist, werden die Dimensionen der wissenschaftlichen Arbeit nachvollziehbar.

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  • 20 Lichtjahre ist ja sozusagen nur ein Katzensprung. Das reißen wir locker auf der linken Arschbacke ab. Ohne Warp-Antrieb und Technik Stand 2010 sind das dann mal schlappe 100.000 Jahre Reisezeit bis Gliese 581.
    Die Sonde Voyager 1, die 1977 gestartet wurde, hat bis jetzt 0,002342 Lichtjahre zurückgelegt. Aktuell (August 2010) befindet sich Voyager 1 noch immer im bereich der Heliosheath-Region und soll um 2015 die Heliosphäre, also den Einflussbereich des Sonnenwindes, endgültig verlassen. Sie passiert dann die Heliopause, das heißt, den Grenzbereich, an dem der Sonnenwind aufhört und das interstellare Medium herrscht. Die gravitative Vorherrschaft der Sonne reicht noch um vieles weiter und umfasst theoretisch auch die Oortsche Kometenwolke als den äußersten Teil des Sonnensystems.
    Hoffen wir mal, das Voyager 1 nicht wie unser Freund Truman burbank irgendwann an das Ende der Leinwand stösst.
    http://home.arcor.de/essenz/diematrix.pdf


  • Hi Peter,

    bei zu hoher Geschwindigkeit würde der Planet jedoch aus der bahn geworfen und würde das System verlassen. Die bahngeschwindigkeit ist immer abhängig vom Zentralgestirn - bei diesem handelt es sich um einen roten Zwerg, wesentlich kleiner als unsere Sonne. Daher ist es eher ein indiz für die engere Umlaufbahn als für eine höhere Geschwindigkeit des Planeten. Des Weiteren gibt es Methoden sowas festzustellen.

    Gruß aus Dortmund

  • "Für einen Umlauf um seinen Zentralstern – der von Astronomen als Gliese 581 bezeichnet wird – benötigt er nur knapp 37 Tage. Dass der Planet bei dieser engen Umlaufbahn..."
    Die Umlaufdauer sagt nur bedingt etwas über die Länge der bahn aus. Da der Planet "innerhalb der sogenannten 'bewohnbaren Zone' – jenem bereich, in dem flüssiges Wasser auf der Planetenoberfläche sowie eine stabile Atmosphäre vorhanden sein können" kreist, kann seine Umlaufbahn nicht so eng sein, wie es die obige Stelle anzunehmen scheint. Es ist also wahrscheinlicher, dass er mit hoher Geschwindigkeit um sein Zentralgestirn umläuft, möglicherweise weil er nicht durch andere Körper gebremst wird.

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