Astronomie
Grenzenloses Wachstum

Eigentlich dürfte es sie gar nicht geben: Sterne mit mehr als 20 Sonnenmassen lassen sich physikalisch nicht erklären - sind im Universum aber keine Seltenheit. Jetzt haben Wissenschaftler einen neuen Anlauf unternommen, um die Existenz der Riesensonnen zu erklären.
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HEIDELBERG. In frühen Kulturen galt die Sonne noch als abstrakte Gottheit, in der Antike ließ man den Himmelskörper immerhin schon von Göttern am Firmament herumkutschieren, und im Mittelalter verlor das Zentralgestirn entgültig seine mystische Rolle. Mittlerweile haben Astronomen sogar ihre Funktionsweise und ihren Werdegang enträtselt.

Vielen weiter entfernten Sternen haftet jedoch bis heute etwas Geheimnisvolles an. Denn leider sind die Modelle, die für die Sonne und ähnliche Gewichtsklassen hervorragend funktionieren, nur begrenzt einsetzbar: Alle Gestirne über 20 Sonnenmassen dürfte es danach nicht geben. Das Innere der werdenden Sterne sollte ab einigen zehn Sonnenmassen bereits so intensives Licht produzieren, dass der abstoßende Strahlungsdruck die anziehende Wirkung der Schwerkraft übersteigt.

An diesem Punkt muss das Wachstum also stoppen, und der Stern würde die umgebenden Gas- und Staubmassen wieder retour ins All blasen. Warum aber streifen dann mindestens sechsmal so schwere Gestirne durch das Universum, wie die Theorie erlaubt? Mark Krumholz von der University of California in Santa Cruz und seine Kollegen gingen diesem Problem nun in Computersimulationen auf den Grund.

Ihr dreidimensionales Modell beschreibt die Entstehung von massereichen Sternen aus einer gewaltigen interstellaren Gaswolke mit 100 Sonnenmassen und einer Ausdehnung von rund drei Billionen Kilometern. So sollte es auch in freier Wildbahn losgehen, wie Modelle und Beobachtungen der vergangenen Jahre nahelegten.

Sofort nach dem Start begann die Gaswolke zusammenzustürzen, nach 3 600 Jahren hatte sich bereits ein Protostern gebildet. Nach 17 000 Jahren war dieser auf 11 Sonnenmassen angewachsen und leuchtete 10 000 Mal so hell wie unser Zentralgestirn. Das Wechselspiel zwischen Gravitation und Strahlung hatte also längst begonnen, doch die gesammelte Kraft des Lichts war noch zu schwach, um einen merklichen Effekt zu bewirken.

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