Astronomie
Kosmischer Kannibale

Einer galaktischen Mahlzeit der ganz besonderen Art sind Astronomen auf die Spur gekommen: Eine ferne Zwerggalaxie vernascht ihren kleineren Begleiter.
  • 0

DüsseldorfWer es als Galaxie zu etwas bringen will, kommt nicht umhin, sich als Kannibale zu betätigen. Nach den gängigen Modellen der Galaxienbildung entstehen große Galaxien wie unsere Milchstraße, indem sich kleinere Sternsysteme nach und nach gegenseitig kannibalisieren.

Unklar blieb bei diesem Erklärungsansatz lange, ob bereits die kleinsten Einheiten in diesem Prozess, winzige Zwerggalaxien, auf diese Weise entstehen – oder ob sich diese Sternenwelten direkt aus intergalaktischen Gaswolken bilden. Zwei aktuelle Untersuchungen lassen jetzt vermuten, dass bereits die kleinsten Galaxien zum galaktischen Kannibalismus neigen.

Die unabhängige voneinander arbeitenden Forschungsteams – eines um David Martínez-Delgado vom Max-Planck-Institut für Astronomie, das andere um Michael Rich von der University of California at Los Angeles – entdeckten, dass es sich bei einem erstmals im Jahr 2007 nachgewiesenen Begleitobjekt der Galaxie NGC 4449 um ein noch kleineres Milchstraßensystem handelt, das kurz davor steht, von NGC 4449 verschluckt zu werden.

Dazu untersuchten die Wissenschaftler unter anderem die Form der Verzerrung, analysierten die Sterntypen und fahndeten nach Strukturen, welche die Umlaufbahn der als Speise dienenden Galaxie nachzeichnen. „Eine Reihe von Modellen sagen vorher, dass Zwerge andere Zwerge verschlingen sollten. Jetzt haben wir solch eine Mahlzeit erstmals direkt beobachten können“, so Martínez-Delgado.

Zudem handele es sich bei der 12 Millionen Lichtjahre entfernten NGC 4449 um eine relativ nahe gelegene Galaxie, was darauf hinweise, dass solche Prozess nicht nur in ferner Vergangenheit, sondern auch im heutigen Universum eine wichtige Rolle spielten.

Seite 1:

Kosmischer Kannibale

Seite 2:

Versteckte Verschmelzung

Kommentare zu " Astronomie: Kosmischer Kannibale"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%