Astronomie
Planet in bewohnbarer Zone entdeckt

Bei der Suche nach einer zweiten Erde ist Schweizer Astronomen eine wichtige Entdeckung gelungen. Erstmals konnten sie einen Planeten in der bewohnbaren Zone eines Sterns nachweisen - also dort, wo Wasser in flüssiger Form möglich ist.
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DÜSSELDORF. Der Schweizer Michel Mayor gilt als einer der erfolgreichsten Planetenforscher weltweit. 1995 gelang es ihm gemeinsam mit seinem Landsmann Didier Queloz erstmals, einen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems nachzuweisen. Seither hat Mayor zahlreiche weitere dieser sogenannten Exoplaneten aufgespürt und maßgeblich mitgeholfen, dass die Gesamtzahl dieser fernen Welten inzwischen die Marke 300 hinter sich gelassen hat. Sein jüngster Fund dürfte den Schweizer nun erneut in die Schlagzeilen bringen: Erstmals konnte sein Team nachweisen, dass ein Exoplanet in einer lebensfreundlichen Zone um eine fremde Sonne kreist.

„Der heilige Gral der aktuellen Exoplaneten-Forschung ist die Entdeckung eines erdähnlichen Gesteinsplaneten in der ‚bewohnbaren Zone’ – also jener Region in der Umgebung eines Sterns, in der die richtigen Bedingungen für flüssiges Wasser auf der Planetenoberfläche herrschen“, so Mayor bei der Vorstellung der Ergebnisse. Auf den bereits 2007 entdeckten Planeten Gliese 581 d scheinen diese Bedingungen zuzutreffen. Mit dem 3,6-Meter-Teleskop der Europäischen Südsternwarte im chilenischen La Silla nahmen die Schweizer Astronomen den Kandidaten genauer unter die Lupe und berechneten seine Umlaufbahn neu. Ergebnis: Der Planet mit etwa siebenfacher Erdmasse liegt in der „grünen Zone“.

„Gliese 581 d ist wahrscheinlich zu massiv, um nur aus Fels zu bestehen“, so Stephane Udry, Mitglied im Forschungsteam. „Aber wir können spekulieren, dass es sich um einen Eisplaneten handelt, der näher an seinen Stern herangerückt ist. Der Planet könnte sogar von einem großen, tiefen Ozean bedeckt sein – es ist der erste ernsthafte Kandidat für eine ‚Wasser-Welt’.“

Der Stern Gliese 581 ist unter Planetenforschern als guter Jagdgrund bekannt. In der Umgebung des rund 20 Lichtjahre von uns entfernten Sterns konnten bislang vier Planeten nachgewiesen werden. Die Entdeckung des jüngsten Sprosses dieser Planetenfamilie, Gliese 581 e, lieferten Mayor und Kollegen bei der Vorstellung ihrer Beobachtungen zur „Wasser-Welt“ gleich mit.

Und auch diese Entdeckung gehört in die Kategorie „Besonders wertvoll“ – ist Gliese 581 e mit gerade einmal zweifacher Erdmasse doch der kleinste Exoplanet, der bislang aufgespürt werden konnte. Bis heute stellt das Aufspüren solch kleiner Welten Astronomen vor besondere Herausforderungen.

Zu einer zweiten Erde taugt der Neuling allerdings nicht: Mit einer Umlaufzeit von nur 3,15 Tagen umkreist er sein Zentralgestirn auf einer sehr engen Bahn, für die Entstehung von Leben ist es schlicht zu heiß auf ihm. Für Planetenjäger Mayor bedeutet die Entdeckung des Winzlings trotzdem einen wichtigen Schritt in der Erforschung ferner Welten: „Es ist erstaunlich, wie weit wir seit der Entdeckung des ersten Exoplaneten im Jahr 1995 gekommen sind. Die Masse von Gliese 581 e ist 80 Mal geringer als die dieses ersten Planeten – ein eindrucksvoller Fortschritt in nur 14 Jahren.“

Dass sich Mayor und sein Team damit zufrieden geben werden, ist wenig wahrscheinlich. Mayors Kollege Xavier Bonfils kündigte jedenfalls schon einmal an: „Die Jagd geht weiter.“

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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