Astronomie

Streit um Mega-Teleskop auf Hawaii

Für Astronomen bietet der hawaiianische Vulkan Mauna Kea ideale Bedingungen für den Blick ins Weltall. Der indigenen Bevölkerung ist der Berg dagegen heilig. Jetzt sorgt ein gigantisches Neubauprojekt für Aufregung.
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Künstlerische Darstellung des geplanten Thirty Meter Telescope. Der annähernd kugelförmige Bau würde die Silhouette des Vulkans Mauna Kea sichtbar verändern. Quelle: ap

Künstlerische Darstellung des geplanten Thirty Meter Telescope. Der annähernd kugelförmige Bau würde die Silhouette des Vulkans Mauna Kea sichtbar verändern.

(Foto: ap)

HonoluluBevor Heather Kaluna auf den Gipfel des Mauna Kea fährt, huldigt sie Poliahu, der Schneegöttin des Vulkans. Kaluna ist Astronomin an der Universität von Hawaii. Und als solche verfolgt sie gespannt den Neubau einer riesigen Sternwarte auf der höchsten Erhebung ihrer Insel. Die Familie der Doktorandin mit indigenen Wurzeln ist allerdings strikt gegen das Projekt. Für sie hat das „Thirty Meter Telescope“ (TMT) auf dem heiligen Berg nichts zu suchen.

Seit Wochen kommt es am Mauna Kea wegen des entstehenden Mega-Teleskops immer wieder zu Protesten. Im April wurde sogar ein vorübergehender Baustopp verhängt. Schon jetzt säumt eine ganze Reihe von Sternwarten den Vulkan. Das TMT wäre allerdings die mit Abstand größte. Der annähernd kugelförmige Bau würde die Silhouette des Bergs sichtbar verändern. Zugleich würde er aber auch einen einmaligen Blick ins Weltall ermöglichen.

Europas Auge ins All
huGO-BildID: 7118125 Sunset view seen from the Paranal hill next to one of the four optical telescopes of the European Austral Observatory (ESO) 22 A
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Am 5. Oktober 1962 unterzeichneten Deutschland, Belgien, Frankreich, die Niederlande und Schweden die Gründungsvereinbarung der Europäischen Südsternwarte Eso. Es war die Geburtsstunde einer der erfolgreichsten europäischen Forschungseinrichtungen.

Vor zehn Jahren begann die "Jagd" auf Planeten
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Die Europäische Südsternwarte (Eso) betreibt in der chilenischen Atacama-Wüste an drei Standorten Teleskope, darunter das hier abgebildete VLT (Very Large Telescope). Es besteht aus vier Teleskopen, die miteinander kombiniert werden können, um Objekte noch in extremer Entfernung sichtbar werden zu lassen. Mit dem VLT ließe sich eine Ein-Euro-Münze aus einer Entfernung von 5000 Kilometern erkennen.

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Die Bedingungen für astronomische Beobachtungen sind in der chilenischen Wüste besonders gut: Die Luft ist klar und trocken, zudem liegen die Teleskope weitab von größeren Städten mit ihren störenden Lichtquellen. Kein Wunder, dass den Astronomen immer wieder einzigartige Schnappschüsse von tief im Weltall verborgenen Objekten gelingen. Die folgende Bilder zeigen eine Auswahl.

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Diese aus mehreren Bildern verschiedener Teleskope zusammengesetzte Aufnahme zeigt die 14 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie Centaurus A. Neben dem auffälligen Staubband, das die Galaxie durchzieht, sind auch die beiden "Fontänen" gut erkennbar, die aus dem Zentrum der Sternenwelt ragen. Dabei handelt es sich um Gasströme, die durch ein Schwarzes Loch im Zentrum der Galaxie mit extremer Geschwindigkeit ins All geschossen werden.

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Ein Blick ins Herz unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße. Beherrschend das dunkle Staubband, in dem verborgen das Zentrum der Galaxis liegt. Eingebettet im Staub liegen - rötlich leuchtend - einige bekannte Sternentstehungsgebiete der Milchstraße wie der Lagunennebel und der Trifidnebel. Auch die farbenfrohe Region auf der rechten Bildseite enthält eine bekannte Sternenwiege, die Rho-Ophiuchi-Molekülwolke.

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Der Katzenpfoten-Nebel, rund 5500 Lichtjahre von der Erde entfernt, hat eine Ausdehnung von etwa 50 Lichtjahren. In seinem Inneren bilden sich ständig neue, sehr massereiche Sterne.

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Zu den Klassikern der Astrofotografie zählt der Pferdekopfnebel. Die auffällige Dunkelwolke, rund 1.500 Lichtjahre von der Erde entfernt, wurde von Astro-Fans bei einer Umfrage der Nasa als das Objekt bestimmt, das vom Hubble-Teleskop zu seinem 11. "Geburtstag" fotografiert werden sollte.

Die hier gezeigte ESO-Aufnahme lässt erkennen, dass der Pferdkopf kein starres Gebilde ist. Seine Staub- und Gaswolken sind in ständiger Bewegung, so dass der Nebel seine charakteristische Form in einigen Jahrtausenden verloren haben wird.

„Ich fühle mich definitiv hin- und hergerissen“, sagt die 31-jährige Kaluna angesichts des Widerstands von vielen Angehörigen ihrer Volksgruppe. „Ich respektiere ihren Glauben, aber ich denke auch, dass viele andere Stimmen derzeit gar nicht gehört werden.“ Einige Aktivisten sehen den Kampf gegen das TMT geradezu als ein „Erwachen“, als eine entscheidende Bewegung für den Zusammenhalt und für das Selbstbewusstsein der indigenen Bevölkerung Hawaiis.

Andere hingegen sehen eine Chance, junge Menschen in der Region mit dem neuen Teleskop für die Naturwissenschaften zu begeistern – und somit einen Rückstand im Bereich der akademischen Bildung aufzuholen. „Wenn man den Kindern neue Möglichkeiten gibt, wenn man ihnen die richtige Bildung gibt, dann ist vieles möglich. Wir können daher jede Hilfe gebrauchen“, sagt etwa Richard Ha, der ebenfalls zur indigenen Bevölkerung der hawaiianischen Hauptinsel gehört, das neue Teleskop aber trotzdem ausdrücklich unterstützt.

23 Prozent der Gesamtbevölkerung des US-Staats im Pazifik sind Ureinwohner – ihr Anteil bei den Absolventen in den naturwissenschaftlichen Fächern an der Universität von Hawaii beträgt allerdings nur zwölf Prozent. Bereits zu Beginn der Planungen hätten die Behörden mit Vertretern der örtlichen Bevölkerung gesprochen und dabei den Wunsch nach besseren Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten auf der Insel vernommen, sagt Sandra Dawson, eine Sprecherin des 1,4 Milliarden Dollar (rund 1,25 Milliarden Euro) schweren TMT-Projekts.

Im vergangenen November wurde dann ein Fonds zur Förderung der naturwissenschaftlichen Ausbildung auf Hawaii eingerichtet. Über zwei verschiedene Stiftungen sollen aus diesem Fonds jährlich umgerechnet etwa 890.000 Euro an Schulen und gemeinnützige Organisationen vergeben werden.

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