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Atemaussetzer im Schlaf erhöhen das Unfallrisiko

Krankhafte Atemaussetzer während des Nachtschlafs machen Menschen so müde, dass sie tagsüber rund 2,5 Mal mehr Verkehrsunfälle verursachen als Gesunde.

dpa GLASGOW/NORDERNEY. Krankhafte Atemaussetzer während des Nachtschlafs machen Menschen so müde, dass sie tagsüber rund 2,5 Mal mehr Verkehrsunfälle verursachen als Gesunde.

Die so genannte Schlaf-Apnoe spielt bei jährlich rund 810 000 Verkehrsunfällen mit 1400 Todesopfern allein in den USA eine Rolle. Diese Zahlen nannten US-Forscher am Dienstag auf dem 14. Jahreskongress der European Respiratory Society im schottischen Glasgow.

In Deutschland leiden rund eine Million Menschen unter nächtlichen Atemaussetzern und folgender Tagesmüdigkeit, sagte der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (Dgsm), Jürgen Fischer, am Dienstag. Hier zu Lande spielen Schlaf- Apnoe und andere Schlafstörungen bei rund einem Viertel aller Unfälle in Verkehr und Haushalt eine Rolle. Schlaf-Apnoe sei zudem ein erheblicher Risikofaktor für das Entstehen von Herzkreislauf- Erkrankungen - vom Bluthochdruck bis zum Herzinfarkt, erklärte der Mediziner, der an der Klinik für Erkrankungen der Atemwegsorgane und Allergien auf Norderney arbeitet.

Behandlungsbedürftig seien vorwiegend Menschen, die tagsüber in eintönigen Situationen einschlafen. Für diese sei ein Beatmungsgerät, das Luft mit Druck über eine Nasenmaske in die Atemwege presst, die beste Therapie. Mit einem solchen Gerät lebten derzeit jedoch nur rund 200 000 Deutsche, schätzt Fischer.

Eine derartige Behandlung von Betroffenen könne in den USA rund 570 000 Unfälle verhindern und 980 Unfallopfern das Leben retten, berichteten Alex Sassani und Terence Davidson von der Universität von Kalifornien in San Diego auf der Glasgower Konferenz. Die von Menschen mit Schlaf-Apnoe verursachten Kollisionen kosten in den USA jährlich umgerechnet rund 13 Mrd. €. Die nächtliche Beatmung von Betroffenen könne nach Angaben der Forscher etwa die Hälfte dieser Kosten einsparen.

Nach einer weiteren in Glasgow vorgestellten Studie haben mehr als die Hälfte der untersuchten polnischen Berufs-Kraftfahrer Atemaussetzer im Schlaf. Pro Stunde Schlaf machen diese Menschen zehn oder mehr Atempausen, berichteten polnische Wissenschaftler. Fast zwei Drittel der befragten Fahrer mit Schlaf-Apnoe gaben demnach zu, regelmäßig am Steuer einzuschlafen.

„300 bis 400 Atemaussetzer pro Nacht bedeuten auch 300 bis 400 Weckreaktionen“, erklärte Jürgen Fischer von der Dgsm. „Das ist wie jede Nacht durchmachen.“ Ursache für die gefährlichen Atempausen im Schlaf sei häufig eine schwache Rachenmuskulatur. Unter dieser leiden vor allem Männer im Alter von 30 bis 70 Jahren. Übergewicht sei ein bedeutender Risikofaktor.

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