Atheisten
Die gottlose Botschaft

Atheisten streben verstärkt an die Öffentlichkeit - und stoßen auf Widerstand. In Berlin wird es keine religionskritischen Plakate auf Bussen geben. Und auch in anderen Städten hat es schon Konflikte gegeben, wenn Atheisten ihren Unglauben in die Öffentlichkeit tragen wollten.
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BERLIN. Mit niemandem lässt sich so trefflich über Gott streiten wie mit überzeugten Atheisten. Diese Erfahrung hat der Religionspädagoge Anton Bucher von der Universität Salzburg oft gemacht. "Sie haben sich sehr stark mit religiösen Fragen auseinandergesetzt, viel mehr als Menschen, denen die Kirche eigentlich egal ist, selbst wenn sie ihr angehören."

Das könnte auch den Eifer erklären, mit dem Atheisten derzeit ihre gottlose Botschaft verbreiten. Kürzlich haben sieben Berliner die erste säkulare Werbekampagne Deutschlands ausgerufen: www.buskampagne.de. Schon nach wenigen Tagen waren 20 000 Euro gesammelt. Drei Berliner Linienbusse sollten mit diesem Schriftzug versehen werden: "Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott. Werte sind menschlich. Auf uns kommt es an."

Doch am Montag kam nun von den Verkehrsbetrieben in Berlin und München die Absage, die Kölner KVB will die Entscheidung vertagen. Philipp Möller, der Sprecher der Kampagne gab sich überrascht, die angesprochenen Agenturen hätten im Vorfeld keine Bedenken geäußert. Die Berliner Verkehrsgesellschaft will ihren Fahrgästen nach eigenen Angaben eine "unaufgeregte Fahrt" bieten und daher keine religiösen oder weltanschaulichen Werbungen mehr akzeptieren. Die atheistischen Plakate sollen nun bald an Bussen in anderen Großstädten hängen.

Die Emotionen sind in jüngster Zeit schon des Öfteren hochgekocht, wenn Atheisten ihren Unglauben in die Öffentlichkeit tragen wollten. Das Comic-Buch "Wo bitte geht?s zu Gott? fragte das kleine Ferkel" versuchte das Bundesfamilienministerium 2008 erfolglos als jugendgefährdend indizieren zu lassen. Der Autor, Michael Schmidt-Salomon, ist Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, der Zentrale des organisierten Atheismus in Deutschland, laut Selbstbeschreibung eine Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung, die das Leitbild eines "evolutionären Humanismus" und einer säkularen Ethik und Politik vertritt. Zu ihrem Beirat gehören zahlreiche Philosophen wie Hans Albert und Gerhard Vollmer und Naturwissenschaftler wie Axel Meyer und Wolf Singer.

Auf internationaler Ebene hat sich seit 2003 die "Brights"-Bewegung etabliert, die ein Weltbild frei vom Glauben an Übernatürliches propagiert. Als "Bright" bekennen sich unter anderem der Philosoph Daniel Dennett und als wohl populärste Figur der Evolutionsbiologe Richard Dawkins, der mit "Der Gotteswahn" eine viel beachtete Streitschrift gegen jede Religion verfasst hat. Die Eigenbezeichnung "bright" (engl. hell, klug, fröhlich) ist eine Reaktion auf das besonders in den USA sehr negative Image des Begriffs "Atheismus".

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