Atomkraft
Russische Firma baut schwimmendes Atomkraftwerk

Das erste schwimmende Atomkraftwerk soll im Oktober 2011 in Betrieb gehen. Während die russische Atomaufsicht Sicherheitsbedenken herunterspielt, fürchtet eine Umweltorganisation, dass der Meiler bereits beim Transport zu seinem Standort im Weißen Meer untergeht.

HB MOSKAU. Ein russisches Schiffsbauunternehmen wird im kommenden Jahr am Nordpolarmeer mit dem Bau des ersten schwimmenden Atomkraftwerks beginnen. Ein entsprechender Vertrag wurde am Mittwoch vom russischen Kernkraftwerksbetreiber Rosenergoatom und der auf Bau von Kriegsschiffen spezialisierten Firma Sewmasch unterzeichnet.

Der 9,1 Milliarden Rubel (267 Millionen Euro) teure Reaktor, der im Hafen von Sewerodwinsk am Weißen Meer gebaut wird, soll im Oktober 2010 in Betrieb gehen. Er soll dann die Schiffsbauwerft mit Strom und Heizwärme versorgen. Der Leiter der russischen Atomaufsicht, Sergej Kirijenko, wies Bedenken hinsichtlich der Sicherheit des Reaktors zurück. Es werde „kein schwimmendes Tschernobyl“ werden, sagte er der Nachrichtenagentur ITAR-Tass mit Bezug auf das in der Ukraine gelegene Atomkraftwerk, in dem sich 1986 der bislang schwerste Unfall bei der zivilen Nutzung der Atomenergie ereignete. Auch sei das Firmengelände von Sewmasch, der einzigen russischen Werft, die Atom-U-Boote baut, ausreichend gesichert.

„Schwimmende Atomkraftwerke sind völlig unsicher “

Der Chef von Rosenergoatom, Sergej Obosow, erklärte, schwimmende Atomkraftwerke seien eine ideale Lösung für viele Orte am Polarkreis. Die Behörden prüften derzeit elf weitere Standorte. Der Widerstand gegen die Kernkraft ist in den vergangenen Jahren in Russland deutlich zurückgegangen. Die Regierung bemüht sich derzeit um einen deutlichen Ausbau der Kernkraft. Derzeit sind in Russland 31 Reaktoren in Betrieb, die 16 bis 17 Prozent des Strombedarfs in Russland decken. Präsident Wladimir Putin will diesen Wert auf 25 Prozent anheben.

Heftige Kritik an dem Vorhaben kam von der norwegischen Umweltschutzorganisation Bellona. Schwimmende Atomkraftwerke seien vom Prinzip her unsicher, erklärte Bellona-Sprecher Charles Digges auf der Web-Site der Gruppe. „Schwimmende Atomkraftwerk sind völlig unsicher. Sie können untergehen und es besteht die Gefahr, dass sie beim Transport zu ihrem Einsatzort untergehen.“

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