Auch in Deutschland werden Vorbereitungen getroffen
WHO nennt Bedrohung durch die Vogelgrippe beängstigend

Der Ausbruch der Vogelgrippe in Asien hat nach Ansicht von Gesundheitsexperten ein kritisches Stadium erreicht. Es könne leicht zu einer Pandemie kommen, wenn sich der Erreger von Mensch zu Mensch verbreite, hieß es zum Auftakt einer UN-Konferenz zur Vogelgrippe am Montag in Malaysia.

ap/dpa HB DÜSSELDORF. Notwendig seien Massenimpfungen von Geflügel, um das zurzeit noch unberechenbare Virus in Schach zu halten.

„Wir glauben, dass ein entscheidender Punkt erreicht ist“, sagte Shigeru Omi, Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Region des westlichen Pazifiks. „Entweder wir kehren den Trend um, oder die Dinge werden uns aus den Händen gleiten. Wir müssen Krieg gegen dieses Virus führen.“ Omi verwies auf 63 Fälle bei Menschen in Asien in diesem Jahr, im vergangenen Jahr seien es insgesamt nur 44 gewesen. Von den 64 Infizierten starben nach Omis Angaben 22, 2004 waren es noch 32. Vietnam beschrieb der Wissenschaftler als „chronisch infiziert“, während Kambodscha und Indonesien ebenfalls erste Krankheitsfälle bei Menschen gemeldet hätten.

Joseph Domenech von der UN-Landwirtschaftsorganisation (FAO) erklärte, die Region benötige in den kommenden zwei Jahren rund 100 Millionen Dollar für den Kampf gegen die Vogelgrippe. Bisher sei jedoch nur ein Zehntel dieses Betrages aufgebracht worden. Besondere Sorgen bereite den Experten das gefährliche H5N1-Virus. Zurzeit kann es nur von Tieren übertragen werden, doch befürchten Wissenschaftler eine Mutation des Erregers, so dass sich künftig auch Menschen gegenseitig anstecken könnten.

In Deutschland kündigten unterdessen die Gesundheitsminister der Bundesländer an, rasch einen Impfstoff zu entwickeln und somit der Ausbreitung einer Grippewelle vorzubeugen. Die Frage sei nicht mehr, ob eine Epidemie ausbreche, sondern wann und wie stark sie auftrete, sagte der bayerische Gesundheitsminister Werner Schnappauf (CSU). „Die schnelle Verfügbarkeit des Impfstoffes hat dann höchste Priorität.“

Die Gefahr drohe dann, wenn sich das Vogelgrippe-Virus mit einem menschlichen Influenza-Virus verbinde und von Mensch zu Mensch übertragen werde, sagte Schnappauf. Dann entstehe ein neues „Killervirus“, das sich binnen Stunden weltweit ausbreiten könne. Die Entwicklung eines Impfstoffes könne aber erst dann einsetzen, wenn der Erreger identifiziert sei. Von diesem Zeitpunkt an rechne man mit einer Frist von drei bis neun Monaten, ehe der Impfstoff vorliege. Für eine Zweifachimpfung der Bevölkerung müssten 160 Millionen Dosen hergestellt werden.

Die niedersächsische Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte, entscheidend sei, dass dann die Produktionskapazitäten vorhanden seien. Zu diesem Zweck sei eine Rahmenvereinbarung mit zwei Herstellerfirmen ausgehandelt worden, berichtete Schnappauf.

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