Auf dem Weg zur ISS Raumfrachter zerbricht nach dem Start

Der Start eines russischen Progress-Raumfrachters ist zum dritten Mal innerhalb von zweieinhalb Jahren gescheitert. Die Trägerrakete zerbrach kurz nach dem Start, die meisten Trümmerteile sind in der Atmosphäre verglüht.
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Auf dem Weg zur ISS abgestürzt – Sojus-Rakete zerbricht in der Luft

MoskauEin unbemannter russischer Raumfrachter ist auf dem Weg zur Internationalen Raumstation ISS verunglückt. Die „Progress MS-04“ sei 190 Kilometer über Sibirien auseinandergebrochen und zurück zur Erde gestürzt, teilte die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos mit. Fast alle Trümmerteile seien beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglüht. Der Rest sei auf unbewohntem Gebiet aufgeschlagen. Der Grund für das Unglück werde untersucht.

„Progress MS-04“ war am Donnerstagnachmittag mit 2,5 Tonnen Treibstoff, Wasser, Nahrung und anderen Versorgungsgütern vom Raumfahrtzentrum Baikonur in Kasachstan in Richtung ISS gestartet. Am Samstag sollte das Raumschiff an der Raumstation andocken. Doch 383 Sekunden nach dem Start habe das Schiff aufgehört, Daten zu übermitteln, hieß es von Roskosmos.

Pannenflüge zum Mars
Peinlicher Rechenfehler: Mars Climate Orbiter
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Als Paradebeispiel für einen peinlichen Fehlschlag gilt der 1998 gestartete Mars Climate Orbiter (MCO). Die Nasa-Sonde sollte das Klima des Roten Planeten erforschen, geriet beim Einschwenken in eine Mars-Umlaufbahn aber zu tief in die Atmosphäre des Planeten und verglühte. Schuld war ein Fehler bei der Programmierung der Navigationssoftware. Während die Nasa mit international üblichen Maßeinheiten arbeitete, verwendete der Hersteller Lockheed Martin das angloamerikanische System. Als Folge dieses unbemerkt gebliebenen Fehlers wurden Kursabweichungen der Sonde überkompensiert, der MCO kam dem Planeten viel zu nahe.

Ungebremster Aufschlag: Mars Polar Lander
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Am 3. Januar 1999 gestartet, sollte der Mars Polar Lander (MPL) am Südpol des Roten Planeten niedergehen. Während des Landeanflugs am 3. Dezember 1999 wurden zwei Mini-Sonden ausgeklinkt, die sich in den Boden bohren und Daten aus tieferen Bodenschichten übermitteln sollten. Doch weder zum Lander noch zu den Sonden ließ sich nach der Landung Kontakt herstellen. Ursache des Verlusts dürfte ein fehlerhafter Sensor in einem der Landebeine des MPL gewesen sein. Vermutlich interpretierte er das Ruckeln beim Ausfahren der Landestelzen als Bodenkontakt, worauf sich die Landetriebwerke abschalteten und die Sonde ungebremst auf die Marsoberfläche aufschlug.

Lost in Space: Mars Observer
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Am 21. August 1993 verlor die Nasa den Kontakt zu ihrem Mars Observer (MO) – vier Tage, bevor die Sonde in eine Mars-Umlaufbahn einschwenken sollte. Die genauen Ursachen konnte nicht ermittelt werden, doch gilt eine Fehlfunktion im Triebwerk als wahrscheinlichste Ursache. Demnach wäre durch eine Verpuffung der Sicherheitsmodus des MO aktiviert worden, der unter anderem eine Unterbrechung der Kommunikation zur Folge hatte. (Foto: Nasa/JPL)

Rücksturz zur Erde: Phobos Grunt
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Doch nicht nur für die Nasa entwickelte sich so manche Marsmission zum Alptraum, auch die russische Raumfahrtbehörde musste einige ihrer Missionen zum Roten Planeten abschreiben. Etwa die zur Erkundung des Marsmonds Phobos vorgesehene Sonde Phobos Grunt (hier beim Verladen kurz vor dem Start).

Am 8. November 2011 zunächst auf eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht, gelang es der Sonde nicht, auf die eigentliche Flugbahn zum Mars einzuschwenken. Wegen der niedrigen Höhe ließ sich zudem kein dauerhafter Funkkontakt zu Phobos Grunt etablieren, sodass alle Versuche zur Rettung der Sonde scheiterten. Am 15. Januar 2012 stürzte Phobos Grunt in den Pazifik.

Falsche Signale: Phobos 1+2
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Schon Jahrzehnte vor Phobos Grunt hatte Russland den Marsmond Phobos als attraktives Forschungsziel in den Blick genommen. Am 7. Juli 1988 startete Phobos 1 zu dem fernen Trabanten. Kaum zwei Monate später war die Mission schon wieder vorbei: Die Bodenstation übermittelte der Sonde ein falsche Signal, mit dem die Steuertriebwerke abgeschaltet wurden. So verlor die Sonde ihre Ausrichtung zu Sonne und die auf Solarkraft angewiesene Energieversorgung brach zusammen. Die fünf Tage später gestartete Schwestersonde Phobos 2 kam immerhin in die Nähe ihres Zieles und übermittelte einige Fotos von dem Saturnmond zur Erde. Doch kurz vor dem Erreichen der Phobos-Umlaufbahn brach der Kontakt zu der Sonde ab. (Foto: Nasa)

Beim Start verloren: Mars96
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Auch diese russische Mars-Mission endete als Fiasko: Beim Start am 16. November 1996 versagte die zweite Stufe der Proton-Trägerrakete, mit der die Sonde ins All gebracht werden sollte. Zwar trennte sich Mars96 noch von der Rakete, der Schub des bordeigenen Triebwerks reichte jedoch nicht aus, die Sonde auf Kurs zum Mars zu bringen, sie verglühte in der Erdatmosphäre.

Fehlschlag made in Europe: Beagle 2
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Die HMS Beagle, auf der Charles Darwin die Welt bereiste, war Namenspatron des Landers, den die europäische Weltraumbehörde Esa 2003 an Bord der Sonde Mars Express zum Roten Planeten schickte. Am 25. Dezember 2003 sollte Beagle 2 auf der Marsoberfläche landen, doch nach dem Abkoppeln von der Sonde konnte kein Kontakt zum Lander aufgebaut werden. Die Gründe für den Verlust sind unbekannt. Kritiker verwiesen allerdings darauf, dass die Beagle-Mission unter hohem Zeitdruck verwirklicht werden musste, obwohl die Europäer bis dahin noch keinerlei Erfahrung mit Landungen auf anderen Planeten hatten.

Es ist das dritte Mal innerhalb von zweieinhalb Jahren, dass ein russisches Raumschiff verunglückt. Im Mai 2015 war ein „Progress“-Raumfrachter in den Pazifik gestürzt, im Mai 2014 war eine Proton-M-Rakete auseinandergebrochen, die einen Satelliten in die Erdumlaufbahn bringen sollte.

Auf der ISS arbeiten derzeit sechs Raumfahrer - die Russen Sergej Ryschikow, Andrej Borissenko und Oleg Nowizkij, die Amerikaner Shane Kimbrough und Peggy Whitson sowie der Franzose Thomas Pesquet. Rsokosmos und Nasa betonten, dass das Unglück keine negativen Auswirkungen auf die Besatzung haben werde. Der US-Zulieferer Orbital hatte im Oktober Nachschub auf die ISS gebracht, Mitte September wird ein japanischer Frachter erwartet.

Auch auf US-Seite waren in den vergangenen Jahren Raketenstarts gescheitert. Der Nasa-Lieferant SpaceX durfte seit der Explosion einer Rakete im September keine Starts mehr durchführen.

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