Aufbruch in unerreichte Höhen
"Halo" eröffnet Forschern neue Dimensionen

Wie sich das Klima wandelt, betrifft die Menschen rund um den Globus. Um Wetterextreme und Veränderungen der Atmosphäre zu erkunden, gehen Experten längst auch mit Spezialflugzeugen in die Luft. Mit einem fliegenden Labor namens „Halo“ rüsten sich deutsche Forscher jetzt für den Aufbruch in bisher unerreichte Höhen. In gut drei Jahren soll der millionenteure High-Tech-Jet zum ersten Mal für Messungen mehr als 15 Kilometer über der Erde abheben.

HB BERLIN/KÖLN. Der Name des Prestigeprojekts ist Programm: „High Altitude and Long Range Research Aircraft“. Mit seiner Flughöhe und der Reichweite von über 8 000 Kilometern soll „Halo“ alle bisherigen Forschungsjets in Europa übertreffen - und den wissenschaftlichen Anschluss an die USA sichern. Denn während das deutsche Fluglabor noch bis Herbst 2008 gebaut und mit Spezialtechnik ausgerüstet wird, soll eine ähnliche Maschine in diesem März an amerikanische Forscher übergeben werden. Die Aussicht auf die künftigen Möglichkeiten elektrisiert die Experten hier zu Lande aber schon Jetzt. „Halo eröffnet uns eine neue Dimension der Atmosphären- und Umweltforschung“, sagt Sigmar Wittig, Vorstandschef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. Und auch Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) erwartet „Missionen, von denen wir bisher nur träumen konnten“. Aus ihrem Etat kommen 47,5 Millionen Euro der Gesamtkosten von 67 Millionen Euro, den Rest erbringen Max-Planck-Gesellschaft und Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

Mit der Großinvestition soll Deutschland am Generationswechsel in der europäischen Forschungsflotte teilhaben. Denn in Großbritannien und Frankreich werden ebenfalls Maschinen für die Umweltforschung nachgerüstet. Beim DLR hat der bewährte Falcon-Jet zur Erkundung der Atmosphäre in bis zu 13 Kilometern Höhe auch schon 26 Jahre auf dem Buckel. Und Nachfolger „Halo“ soll nicht nur noch höher und weiter fliegen, sondern mit drei Tonnen Nutzlast auch weit mehr Instrumente an Bord nehmen können.

Für die Bedürfnisse der Wissenschaft soll der US-Flugzeugbauer Gulfstream einen knapp 30 Meter langen Business-Jet mit besonderer Ausstattung versehen: Öffnungen für Lufteinlässe oder Instrumenten- Vorrichtungen unter den Tragflächen. Neben Pilot und Kopilot sollen je nach Mission drei bis sechs Experten an Bord sitzen können. Einmal im Dienst, soll „Halo“ auch oft genutzt werden. „Wir gehen davon aus, dass mindestens 80 bis 90 Tage reine Flugzeit möglich sind“, sagt Bernd J. Höfer, stellvertretender Vorstandschef des DLR. Darüber, was sie mit „Halo“ künftig genauer untersuchen wollen, haben die Forscher schon eine Vorstellung. Neben der Ozonzerstörung in der Stratosphäre oberhalb von 13 Kilometern und der Erkundung des polaren Meereises soll etwa die Selbstreinigungskraft der Atmosphäre von Treibhausgasen erkundet werden. Mehr wissen wollen die Experten auch über zunehmende Niederschläge in manchen Weltregionen. An den neuen Möglichkeiten am Himmel sollen einmal auch Forscher, Schüler und Studenten am Boden teilhaben können - virtuell über das Internet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%