Aufstieg zum bedeutenden Energieträger programmiert
Wasserstoff hat Potenzial

Die Lösung künftiger Energieprobleme ist farb- und geruchlos, leicht brennbar und hinterlässt als Abgas unbedenklichen Wasserdampf. Das viel gepriesene Gas Wasserstoff könnte zum zentralen Energieträger werden, wenn Kohle, Gas und Öl einmal verfeuert sind. Je nach Lesart wird das in 50, 100 oder noch mehr Jahren der Fall sein.

HB/dpa HAMBURG. Visionäre Pläne sehen Wasserstoff-Autos, Mini-Brennstoffzellen- Kraftwerke im Keller oder Wasserstoff-Supertanker auf dem Weg von Afrika ins energiehungrige Europa voraus. Derzeit fehlt aber sowohl der politische als auch der wirtschaftliche Druck für einen Durchbruch der Wasserstofftechnik.

Vielfach gerät in Vergessenheit, dass Wasserstoff keine Energiequelle ist: Das Gas (chemisch: H2) kann Energie allenfalls speichern und transportieren. Erst wenn es in großem Maßstab mit Hilfe von Wind-, Gezeiten- oder Sonnenkraft gewonnen wird, ließe sich von umweltfreundlicher Energie sprechen. Zur Nutzung muss der reine Wasserstoff erst aufwendig aus anderen Verbindungen herausgelöst werden. Die dafür nötige Energie ist anschließend zum Teil im H2-Gas gespeichert. An anderer Stelle wird es mit Sauerstoff wieder zu Wasser verbrannt und setzt dabei die in ihm gespeicherte Energie wieder frei.

Wasser-, Wind und Sonnenkraft sind einige der stets erneuerbaren Energien, die sich im Wasserstoff speichern lassen. Die Wasserstofftechnik ist damit stets nur so umweltfreundlich wie die Energie, die zu seiner Gewinnung und seinem Transport diente. Die Rückwandlung vom Gas zum Strom übernehmen Brennstoffzellen, an deren Membranen H2 kontrolliert mit dem Sauerstoff der Luft zu Wasser reagiert und dabei Energie frei setzt.

Technisch wäre es bereits heute möglich, den Energiebedarf weltweit umweltfreundlich mit Wasserstoff zu decken, meint Professor Jochen Lehmann von der Fachhochschule Stralsund. Solange fossile Energieträger allerdings noch kostengünstig und in großen Mengen verfügbar seien, sei es schwierig, die Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technik durchzusetzen.

In kleinem Maßstab hat der Industriegaskonzern Linde (Wiesbaden) damit begonnen. Das Unternehmen verflüssigt Wasserstoff für die öffentliche H2-Tankstelle am Münchner Flughafen, eine von vier in Deutschland. „Der Preis liegt bei 55 Cent je Liter“, sagt Unternehmenssprecher Stefan Metz. Da Wasserstoff aber nur rund ein Viertel des Energiegehaltes von Benzin enthalte, steige dieser Preis tatsächlich aufs Doppelte von Benzin.

Der Startschuss für den weltweit ersten Großflottentest mit Brennstoffzellen-Bussen fiel im Mai in Madrid. Bis zum Jahresende sollen 30 emissionsfreie Busse in zehn europäischen Großstädten verkehren. Die EU unterstützt das auf zwei Jahre angelegte Projekt „Cute“ (Sauberer Stadtverkehr für Europa) mit 21 Mill. €. Thomas Weber, Vorstandsmitglied der DaimlerChrysler AG sagte, ohne eine nennenswerte Erhöhung der Stückzahlen auf eine sechsstellige Zahl allein bei seinem Unternehmen könne kein attraktiver Preis erzielt werden. Laut DaimlerChrysler sind die im Cute-Projekt eingesetzten Brennstoffzellen-Busse Mercedes-Benz Citaro mit einem Stückpreis von 1,25 Mill. € fünf Mal teurer als herkömmliche Stadtbusse.

Der Heizungsbauer Vaillant testet etwa 30 größere Brennstoffzellen-Anlagen in Sechs- bis Zehnfamilienhäusern. Sie liefern Strom und Wärme aus Erdgas, dem der Wasserstoff entrissen wird. So will die Firma eine dezentrale Energieversorgung möglich machen. Es werde aber noch etliche Generationen dauern, bis Wasserstoff zu einer praktikablen Alternative werde, berichtet Firmensprecher Stefan Jakubik.

Große Visionen rings um das Gas gibt es zuhauf. Bereits Jules Verne schrieb 1874 in seinem Roman „Die geheimnisvolle Insel“, dass Wasserstoff und Sauerstoff einst zur unerschöpflichen Quelle von Wärme und Licht werden würden. Andere möchten Solarenergie in der Sahara gewinnen, um damit Meerwasser zu spalten und den Wasserstoff mit Pipelines ins energiehungrige Europa zu leiten. Doch auch in Deutschland gebe es Wind-, Wasser- und Sonnenkraft, um Energie zur Wasserstoffgewinnung zu schaffen, sagt hingegen Ulrich Schmidtchen, Vorstandsmitglied des Deutschen Wasserstoff-Verbandes (DWV). Unter dessen 46 Firmenmitgliedern sind Opel, BWM, Daimler-Chrysler, Mannesmann und die Zürich Agrippina Versicherung AG. Kommerziell erhältlich sind laut Schmidtchen in Deutschland derzeit schon einige koffergroße Brennstoffzellen zur Versorgung von Laptops oder Campern.

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