Ausgrabungsstätte verfällt
Pompeji steht vor zweitem Untergang

2000 Jahre, nachdem die Stadt durch einen Vulkanausbruch komplett vernichtet wurde, droht Pompeji erneut die Zerstörung. Bedroht wird die Siedlung am Fuß des Vesuvs jedoch nicht durch Ascheregen, sondern durch ausbleibende Restauration. Ein Teil des Unesco-Weltkulturerbes ist bereits eingestürzt.
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HB ROM/POMPEJI. Notstand in der weltbekannten antiken Römerstadt: Der spektakuläre Einsturz eines knapp zwei Jahrtausende alten Gladiatoren-Gebäudes in Pompeji am vergangenen Wochenende lenkt das Augenmerk einmal mehr auf den ziemlich erbärmlichen Zustand der wohl bedeutendsten Ausgrabungsstätte in Italien. Viel Missmanagement, Kompetenzstreitereien und Vandalismus scheinen zum zweiten Untergang dieses Unesco-Weltkulturerbes unter dem Vesuv bei Neapel zu führen.

Wer dafür verantwortlich ist, ist umstritten. Viele zeigen mit dem Finger auf Italiens Kulturminister Sandro Bondi. Sie verlangen den Rücktritt des Mannes, der am Mittwoch vor der Abgeordnetenkammer in Rom erklären musste, wie der Einsturz in Pompeji überhaupt möglich war - und was versucht werden soll, um die von Mio. besuchte Römerstätte noch zu retten. Und weil er nicht gehen will, hatte die linke Opposition einen Misstrauensantrag bereits in der Schublade.

„Das eingestürzte Haus der Gladiatoren in Pompeji ist die Metapher für das Italien Silvio Berlusconis“, meinte Oppositionschef Pierluigi Bersani. Doch die alten Probleme des 44 Hektar riesigen Geländes im Schatten des Vulkans, dessen Ascheregen Pompeji 79 nach Christus untergehen ließ, schafft jetzt kein politischer Streit aus der Welt.

Berlusconi hatte 2008 einen Sonderkommissar für das Juwel der Archäologie ernannt. Der „alltägliche Zerfall“, wie ihn die Kritiker beklagen, hält derweil aber an: Streunende Hunde und wenig Service, zahlreiche „Baustellen“, auf denen sich nichts tut. Dennoch wollen jährlich etwa drei Mio. Touristen die antike Römerstadt sehen.

„Alle Monumente in Italien sind gefährdet.“ So prangert „Italia Nostra“, anerkannter privater Verein zum Schutz des historischen, kulturellen und landschaftlichen Erbes an, was alles falsch gemacht wurde: Ungenügende Unterhaltung der vielen bedeutenden Stätten, mehr Geld für „pharaonische“ Vorzeigeprojekte statt für die dringenden und doch ausbleibenden Restaurierungen. Und wenn restauriert werde, dann noch mit falschem Beton und auch mit dem Einsatz von Baggern, „die auf einem Gelände wie Pompeji absolut nicht zu suchen haben“.

Als Regenwasser das Gladiatoren-Haus „Schola Armaturarum“ einbrechen ließ, hatte der umstrittene Minister indessen noch eine andere Erklärung: Nur die Hälfte der für Pompeji vorgesehen Gelder würden wirklich eingesetzt. Und das sei ein klares Missmanagement.

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  • Unfähigkeit wird hier wirklich auf hohem Niveau kultiviert. Ob die Unfähigkeit moderne Müllverbrennungskraftwerke in Neapel zu bauen oder die vorhandenen Touristeneintrittseinnahmen Pompeji w i r k l i c h zu nutzen.

    Das sich so schnell immer ein gewisser "Filz" ausbreitet, ist schon ein interessantes Phänomen.

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