Australien
Kamel-Kampf mit Pille oder Kugel

Australien plagt sich mit seinen Wüstenschiffen: Die Zahl der wild lebenden Kamele verdoppelt sich sich alle neun Jahr - mit einschneidenden Folgen für die Ökosysteme des Landes. Darüber, wie die Zahl der Tiere verringert werden kann, streiten sich die Experten noch.
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SYDNEY. In einem sind sich die Fachleute in Australien einig: Die Zahl der im Outback lebenden Kamele muss reduziert werden. Die rund eine Million Tiere konkurrieren mit Schafen und Rindern um Nahrung, trampeln die Vegetation nieder und dringen auf der Suche nach Wasser in Siedlungen ein, wo sie nicht selten Rohre aufreißen und die Menschen in Angst und Schrecken versetzen. Doch an der Frage, wie man der Plage Herr werden will, scheiden sich die Geister. Die Regierung erwägt eine Massentötung.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Kamele nach Australien gebracht - als Transportmittel durch die Wüste. Schätzungen zufolge verdoppelt sich die Population alle neun Jahre. Im Juli hat die Regierung 19 Mio. Australische Dollar (11 Mio. Euro) für ein Programm bewilligt, das den Einsatz von Scharfschützen vorsieht. Diese sollen vor allem aus der Luft Jagd auf die Kamele machen.

„Aus einem Hubschrauber heraus erschossen zu werden, ist eigentlich ganz human, auch wenn es brutal klingt“, sagte Tony Peacock, der an der Universität von Canberra ein Forschungszentrum leitet, das sich mit eingeschleppten Tierarten befasst. „Wenn ich ein Kamel wäre, würde ich es vorziehen, einfach eine Kugel in den Kopf zu bekommen.“ Die Massentötung sei der effektivste Weg, des Problems Herr zu werden, sagt Peacock.

Das sehen nicht alle so. „Was passiert in 15 Jahren, wenn die Zahl (der Tiere) wieder gestiegen ist?“ fragt Kamel-Exporteur Paddy McHugh. „Verschwenden wir dann wieder 20 Mio. Dollar?“ McHugh verdient sein Geld damit, die Tiere zu fangen und ins Ausland zu verkaufen. In den vergangenen Jahren sei die Nachfrage rasant gestiegen, sagt er. Die Kamele würden in der Tourismusindustrie eingesetzt oder dienten schlicht als Fleischlieferant.

Allerdings stellt das Einfangen der Tiere eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar, wie Patrick Medway, Präsident der Umweltschutzorganisation Wildlife Preservation Society of Australia (WPSA), sagt. Schließlich könnten die Tiere bis zu 900 Kilogramm schwer werden.

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