Autoentwicklung
Prototypen flitzen über die Leinwand

Autohersteller setzen auf die Fahrzeugentwicklung am Computer. In Originalgröße und möglichst realistisch begleiten virtuelle Kameraflüge und ein strenger Kontrollblick ein neues Auto von der Konzeptphase bis zur Markteinführung. Designer und Entwickler diskutieren über neue Modelle am Monitor -und sparen sich so teure Fehlkonstruktionen.

BERLIN. Bei Audi ist Auto-Design großes Kino. Die Designer überprüfen neuerdings ihre virtuellen Prototypen auf einer riesigen Leinwand in digitaler Kinoqualität auf Stimmigkeit. Sie feilen so lange im Computer daran, bis das Mobil von morgen dem Vorstand präsentiert werden kann, der dann den Daumen hebt oder senkt. Auf diese Weise müssen die Gestalter nun erst viel später ihre Hände mit Ton beschmutzen, um ein möglichst realistisches Modell zu kneten.

Wenn die Entwickler zum "Design-Check" in die "Virtual Reality Studios" laden, klingt das ein klein wenig nach Hollywood. Doch es geht um mehr als ein schnelles, subjektives Urteil "gefällt" oder "gefällt nicht". Der Check sei harte Arbeit, erklärt Carsten Huschka, Virtual Reality-Entwickler bei Audi: "Hier wird die gesamte sichtbare Fahrzeugoberfläche geprüft, um die Anmutungsqualität zu gewährleisten, die der Kunde wahrnimmt und erwartet."

In Originalgröße werden die künftigen Audis auf einer sechs Meter breiten und gut zwei Meter hohen Leinwand, die im Fachjargon "Powerwall" heißt, in viermal so hoher Auflösung wie HDTV und mit bis zu 7,4 Millionen Pixel dargestellt.

Für die räumliche Präsentation wird nur ein Projektor von Sony benötigt. Bisher waren sechs und mehr nötig. Vorteil: Störende Überlappungen, sogenanntes "Edgeblending", die durch das Zusammenspiel diverser Beamer entstehen, verschwinden zugunsten eines bruchlosen Bildes. "Ohne Edgeblending haben wir jetzt eine nahtlose Bilddarstellung und können durch die gute Bildqualität und das hervorragende Kontrastverhältnis auch kleinste Details kontrollieren", sagt Christian Ziller, Projekt-Koordinator bei Audi.

Der strenge Kontrollblick begleitet ein neues Auto von der Konzeptphase bis zur Markteinführung. Und das gilt außen wie innen: Im Fahrgastraum sind virtuelle Kameraflüge möglich, bei denen selbst feine Oberflächenstrukturen von Kunststoffen oder Leder, Schattenwürfe und Spiegelungen wirklichkeitsnah erscheinen. So können auch schnell Soll-Ist-Abweichungen der Konstruktionsdaten erkannt und behoben werden - es geht eben nicht nur um den schönen Schein.

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