Automatisierung im Bergbau
Ferngesteuert unter Tage

Der Bergbaukonzern Rio Tinto setzt große Hoffnungen in einen Wunderlaster, der keinen Fahrer mehr braucht. Mit Hilfe des „intelligenten“ Gefährts soll der Erzabbau in Australien automatisiert werden. So hofft man auch der grassierenden Personalknappheit in der Branche zu entkommen.

HB LONDON. Ein Bohrer senkt sich in den Fels und frisst sich lärmend in das Erz. Gesteinsbrocken poltern auf die Ladefläche eines gewaltigen Kippers. Ein mit fast 300 Tonnen voll beladener Lastwagen rollt zur Verladestation und schüttet seine Ladung in einen Eisenbahnwaggon. Der Zug fährt ab und rattert 1 200 Kilometer weit bis zum Hafen. Der gesamte Vorgang soll bereits in zwei Jahren in der westaustralischen Eisenerzmine Pilbara ablaufen, ohne dass ein Mensch vor Ort ist. – Kein Bergarbeiter, kein Lastwagenfahrer, kein Lokomotivführer. – Der Minenbetreiber Rio Tinto will bis dahin den Abbau und Transport des Erzes so weit automatisieren, dass dieser von einem 1 300 Kilometer entfernten Kontrollzentrum nahe Perth ferngesteuert werden kann.

„Rio Tinto wird das Gesicht des Bergbaus verändern“, kündigte Konzernchef Tom Albanese vollmundig an. Er schätzt den Vorsprung des Konzerns auf dem Weg zum führenden Betreiber vollautomatischer Minen auf drei Jahre. Das britisch-australische Unternehmen hat 21 Millionen Dollar investiert, um die Zukunftsvision zusammen mit dem Robotik-Zentrum der Universität Sydney Realität werden zu lassen. 30 Forscher und Ingenieure arbeiten an dem ambitionierten Projekt.

Die Automatisierung soll nicht nur mehr Sicherheit und Effizienz bringen, sondern auch der Personalknappheit begegnen, an der die gesamte Branche leidet. Der historische Boom des Bergbaus, ausgelöst durch den Nachfrageschub aus China, hat einen Mangel an Ingenieuren ebenso wie Minenarbeitern hervorgerufen.

Trotz erheblicher Lohnsteigerungen sind zum Beispiel in Australien nicht genug Menschen bereit, sich den widrigen Umständen in entlegenen Minen zu stellen. Wenn Rio Tintos Projekt Erfolg hat, wird das nicht nötig sein: Das Steuerungszentrum am Flughafen Perth soll ab 2009 mit 320 Beschäftigten den Großteil der Schmutzarbeit per Joystick erledigen.

Vor allem die Prozessautomatisierung und Robotik liefern die Techniken dafür. Ferngesteuerte Güterzüge testet Rio Tinto derzeit mit der zuständigen Eisenbahnbehörde. Mitte des laufenden Jahres soll das Projekt in die nächste Stufe treten. Dieser Teil des Prozesses ist der erste, der vom neuen Steuerungszentrum aus gelenkt werden soll.

Fahrerlose Kipplaster hat Rio Tinto beim japanischen Schwermaschinenhersteller Komatsu bestellt. Solche Gefährte haben die Japaner bereits an den chilenischen Kupferminenbetreiber Codelco geliefert. Sie sollen ab 2010 auch in anderen Erzminen des Konzerns zum Einsatz kommen. Die Laster sind „intelligent“, das heißt, sie finden eigenständig ihren Weg im unwegsamen Gelände einer Mine. Und das ist keine Kleinigkeit – immerhin handelt es sich hier um die größten Lastwagen der Welt.

Bereits im Einsatz sind in Pilbara speziell für diese Mine konstruierte automatische Bohrer. Mit ihrer Entwicklung hat Rio Tinto im Rahmen der Kooperation mit der Universität Sydney 2006 begonnen. Die Zusammenarbeit mit der Hochschule habe dem Konzern den Zugang zu weltweit anerkannten Robotik-Spezialisten eröffnet, erklärt Rio Tinto.

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