Bakterien auf der ISS

Keime im Weltall

Seit mittlerweile 15 Jahren besuchen Raumfahrer die Raumstation ISS. Ein kleines Jubiläum, das Nasa-Forscher zum Anlass nahmen, um nach unerwünschten Mitbewohnern auf dem Außenposten im All zu fahnden.

Seit 215 Tagen im All: Astronaut auf Einjahres-Mission

HeidelbergKommenden Samstag feiert die Raumstation ISS ein kleines Jubiläum: Vor 15 Jahren, am 31. Oktober 2000, brachen die Russen Sergej Krikaljow und Juri Gidsenko sowie der US-Amerikaner William Shepherd als erste Besatzung zum gerade fertiggestellten Außenposten der Menschheit auf. Der „Grundstein“ der Raumstation war 1998 gelegt worden, als eine russische Proton-Rakete das erste Bauteil ins All brachte.

Seither ist das auch von Deutschland mitfinanzierte Labor rund 400 Kilometer über der Erde ständig besetzt. Mit etwa 28.000 Stundenkilometern rast die außerirdische Wohngemeinschaft in rund 90 Minuten einmal um den Erdball. Gut ein Dutzend Nationen beteiligen sich an der ISS, die mit ihren Sonnensegeln aussieht wie eine riesige Libelle. Raumfahrer schwärmen vom Blick auf unseren Planeten: In der Dunkelheit funkeln die Lichter riesiger Metropolen, bei Tageslicht glitzert das Wasser der Ozeane.

Alkoholverbot und ein sündhaft teures Kosmos-Klo
Internationale Raumstation (ISS)
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Was macht die Besatzung eigentlich die ganze Zeit?

Ein normaler Tag auf der ISS beginnt mit einer Morgentoilette mit feuchten Tüchern, denn eine Dusche gibt es nicht. Nach einem meist bescheidenen Frühstück widmet sich die Crew der Forschung sowie der Pflege der Bordanlagen – mit der Faustregel, dass viele Arbeiten im All doppelt so lange dauern wie auf der Erde. Je nach Tagesprogramm stehen zwei Stunden Fitness auf dem Plan, etwa das Strampeln auf Standfahrrädern, um dem Muskelabbau entgegenzuwirken. Freizeit gibt es kaum während der sechs Monate im All. „Jede Sekunde ist verplant, man hechelt fast dem Plan hinterher“, sagt Kosmonaut Sergej Wolkow.

Internationale Raumstation (ISS)
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Könnten die Experimente auch ohne Crew funktionieren?

Theoretisch könnten Raumfahrer durchaus Bakterienkulturen oder Materialproben kurz zur ISS bringen und nach einigen Monaten wieder abholen. Das würde den Kritikern der Station gefallen, die die ständige Anwesenheit einer mehrköpfigen Mannschaft als überflüssig und teuer monieren. Der US-amerikanische Chef des ISS-Programms, Michael Suffredini, warnt aber vor einer längeren Abwesenheit von Raumfahrern. Immer wieder seien Probleme bei den Experimenten aufgetreten, die nur von Astronauten an Bord gelöst werden könnten. Sollte die ISS tatsächlich nach 2020 verschrottet werden, wollen die Partner aber stattdessen kleinere unbemannte Labore im All betreiben.

The Soyuz TMA-09M capsule carrying the International Space Station (ISS) crew of U.S. astronaut Karen Nyberg, Russian cosmonaut Fyodor Yurchikhin and
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Wie retten sich die Raumfahrer im absoluten Notfall?

Aus einem Brand 1997 auf der mittlerweile versenkten russischen Raumstation Mir haben die ISS-Betreiber nach eigenen Angaben viel gelernt. Die Station durchziehen mittlerweile Sprinklersysteme mit Kohlenstoffdioxid und Schaum, die notfalls Flammen löschen sollen. Zudem können Schleusen zwischen den Forschungsmodulen geschlossen werden. Als „Rettungsboote“ bei einer Evakuierung fungieren die Sojus-Kapseln, die an der Station angedockt und für die reguläre Rückkehr von Raumfahrern zur Erde gedacht sind. Der Platz ist knapp bemessen: Drei Menschen passen in eine Sojus.

Thomas Reiter in der ISS
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Alkoholverbot im All: Das ist doch nur ein Mythos, oder?

Offiziell gilt auf der ISS die Null-Promille-Grenze – zum Verdruss mancher Raumfahrer. „Zwei Gläser Wein täglich, wie bei U-Boot-Matrosen, würden das Leben an Bord komfortabler machen“, sagt etwa der Kosmonaut Salischan Scharipow. Experten warnen aber: Alkohol wirke im All viel stärker, weil der Körper in der Schwerelosigkeit Substanz abbaut. „Im Kosmos muss man alle Sinne beisammen haben“, sagt der deutsche Raumfahrer Thomas Reiter (im Bild 2006 auf der ISS). Die Alkoholregelung sei aber eher Richtlinie als Verbot. „Es gibt hin und wieder Anlässe, bei denen ein kleiner Tropfen dazu gehört...“, räumt Reiter ein.

Toilette der Internationalen Raumstation ISS
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Wie funktioniert eigentlich die Toilette an Bord der ISS?

Wegen der Schwerelosigkeit müssen Raumfahrer ihre Beine an der Toilette festklemmen. Was auf der Erde mit Wasser weggespült wird, saugt Unterdruck zunächst in einen 20-Liter-Behälter. Von dort werden die Stoffe weitergepumpt in leere Wassertanks des angedockten „Progress“-Raumtransporters, der als Müllcontainer dient. Der Frachter wird später zum Absturz gebracht und verglüht in der Atmosphäre. Das rund 14 Millionen Euro teure Kosmo-Klo der ISS kann zudem Urin zu Trinkwasser aufbereiten. Dies sei aber nur für den Notfall gedacht und bei den Raumfahrern „nicht besonders beliebt“, sagt der Ex-Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Wladimir Popowkin.

Doch die Besuche von mittlerweile mehr als 200 Raumfahrern haben Spuren auf der ISS hinterlassen – auch solche, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Wissenschaftler vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa haben jetzt unter die Lupe genommen, welche Bakterien es sich neben den sechs Astronauten, die regelmäßig gleichzeitig die Raumstation bewohnen, auf der ISS gemütlich gemacht haben. Dabei stießen sie auch auf einige Keime, die der Gesundheit der Raumfahrer zusetzen könnten.

Das Team um Kasthuri Venkateswaran nahm für ihre Untersuchung Proben aus zwei Staubsaugerbeuteln und einem Luftfilter, die von der ISS zur Erde zurückgeschickt wurden. Mit Hilfe moderner DNA-Sequenzierungsmethoden schlüsselten sie auf, welche intakten Mikroben darin enthalten waren, und verglichen diese anschließend mit den Bakterien, die sich in Staubproben aus so genannten Reinräumen der Nasa befanden.

Ticket ins All für Krankheitskeime
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