Band transportiert Koffer rasend schnell
Gepäckanlage am Flughafen München hat ihre Feuertaufe bestanden

Premiere am Münchner Flughafen. Am neuen Terminal 2 sorgt ein vollautomatisches weit verzweigtes Gepäckband dafür, dass das Umsteigen von einem Flug zum nächsten innerhalb von 30 Minuten reibungslos funktioniert und das Gepäck rechtzeitig umgeladen wird.

MÜNCHEN. Zunächst ertönt ein leises Surren. Beim Näherkommen wird das Geräusch sirenenartig laut. Dann saust ein Koffer in einer Plastikwanne mit 30 Stundenkilometern vorbei. Das Geräusch stammt von den 19 000 Elektromotoren, die alle zwei Meter die Einzelsegmente des Hochgeschindigkeits-Gepäckbandes am neuen Terminal des Münchner Flughafens antreiben. Die Motoren springen nur an, wenn ein Gepäckstück kommt und gehen danach sofort wieder aus. „Das macht das System nicht nur schneller als herkömmliche Laufbandsysteme, sondern auch stromsparender und flexibler“, sagt Projektleiter Jürgen Korbmann von Siemens Dematic.

Das Herz des neuen Umsteigeflughafens mit seinen 40 Kilometer langen Adern schlägt im Keller des Terminals. Hier sorgt ein vollautomatisches weit verzweigtes Gepäckband dafür, dass das Umsteigen von einem Flug zum nächsten innerhalb von 30 Minuten reibungslos funktioniert. Diese kurzen Umsteigezeiten nutzen aber nicht nur dem Passagier, sondern auch dem Flughafen. Flughäfen mit kurzen Umsteigezeiten werden stärker gebucht.

Die Anlage wird ständig überwacht

Bei der Eröffnung vor zwei Wochen hat die neue Fördertechnik die Feuertaufe bestanden. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Hans Joachim Klos, Chef der Inbetriebnahme des neuen Terminals. Es gab zwar kleinere Kommunikationsprobleme an den Schnittstellen zwischen der Software von Lufthansa, Siemens und dem Flughafen, was auch zu kurzen Störungen am Morgen des ersten Betriebstages führte. „Aber die Anlage läuft stabiler als erwartet“, sagt auch der Gepäckchef des Terminals Christian Krella.

Die logistischen Fäden laufen im Leitstand des Flughafens zusammen. Auf für Hochsommer kühle 20 Grad klimatisiert sitzen hier im Keller die Spezialisten in einem halbrunden Kommandostand vor ihren Flachbildschirmen. An der Wand befinden sich zwei riesige Projektionsflächen. Das Bild erinnert an Cap Caneveral, nur dass keine Raketen starten, sondern Gepäckstücke horizontal durch den Keller flitzen, unsichtbar für jeden Fluggast.

Gepäck wird während des Transports kontrolliert

Die Flughafenbetreiber wissen, dass der schnelle Gepäcktransport für die Zufriedenheit der Passagiere fast genauso wichtig ist, wie das Erreichen des Anschlussfliegers. 115 Millionen investierte daher der Flughafen in die Anlage von Siemens Dematic. „Das Problem bestand darin, die Anlage so zu konzipieren, dass sie auch noch in fünf oder zehn Jahren taugt“, sagt Korbmann.

Das Besondere: Die Gepäckstücke werden vollautomatisch in 1,35 Meter breite und ein Meter lange Plastikwannen verladen. „Nur so erreichen wir diese Geschwindigkeiten und können sicher stellen, dass sich kein Koffer verklemmt“, sagt Projektleiter Korbmann. Und sollte doch ein Problem auftreten, sucht das System automatisch eine Umleitung.

Der Leitstand setzt dann umgehend Techniker in Gang, die die Störung beheben. „Das System ist redundant“, erläutert Korbmann. Es ist in vier unabhängige Linien unterteilt, die teilweise übereinander laufen. Zur Sicherheit ist auch die Software-Steuerung in zwei unabhängige Systeme unterteilt.

Einzigartig ist auch das Sicherheitssystem, das mit drei vollautomatischen Durchleuchtungsstationen der neuen EU-Luftsicherungsverordnung genügt. Allein die Kontrolltechnik kostete 37 Mill. Euro. Das Gepäck wird nicht mehr beim Einchecken durchleuchtet. Das geschieht hier während des Transports auf der Gepäckanlage.

Kommt ein Gepäckstück nicht durch die erste Stufe, in der die physikalischen Eigenschaften des Inhalts geprüft werden, wird es aussortiert und muss in eine Schleife zum zweiten Check. Hier suchen Spezialröntgengeräte nach Sprengstoff. Besteht es auch diesen Check nicht, wird manuell durchleutet und erst dann geöffnet. „Sprengstoff haben wir in den ersten Tagen noch nicht gefunden“, berichtet ein Flughafensprecher. Aber natürlich seien Drogen dabei gewesen – wie üblich auf Flughäfen. Aber das sei Sache des Zolls.

Die Nervosität im Vorfeld war groß. Seit Januar wurde mit 400 Probepassagieren und 2 250 Gepäckstücken geübt. Selbst Flughafenchef Michael Kerkloh traute der Sache nicht ganz: „Da könnte es Probleme geben“, baute er zur Eröffnung schon mal vor.

Nach 14 Tagen Betrieb ist allen Verantwortlichen ein Stein vom Herzen gefallen. Ihnen blieben Pannen wie 1994 in Denver erspart, als die Eröffnung des Flughafens wegen der Gepäckanlage ein halbes Jahr lang verschoben werden musste. Derzeit läuft die Anlage aber noch nicht auf vollen Touren, weil der Terminal längst nicht ausgelastet ist. Zurzeit werden rund 30.000 Gepäckstücke täglich befördert, später sollen es 14.000 pro Stunde sein.

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