Bau von Entsalzungsanlagen
Billiges Trinkwasser aus dem Meer

Das Prinzip ist nicht neu, aber jetzt will er es wirklich umsetzen. Der spanische Erfolgs-Schriftsteller Alberto Vázquez Figueroa will zusammen mit einer israelischen Firma in Almería eine neuartige Meereswasser-Entsalzungsanlage entwickeln.

MADRID. Die bisherigen Anlagen benötigen viel Energie, um das Wasser zu entsalzen. Für die chemische Hauptreinigung ist ein Druck von bis zu 70 Kilogramm pro Quadratzentimeter nötig. Ein Grund, warum Trinkwasser aus Entsalzungsanlagen sehr teuer ist. „Ich werde mit meinem Patent dagegen Wasser anbieten, das fast gratis ist“, verspricht Vázquez Figueroa.

Er will Meereswasser über Leitungen auf einen 500 bis 600 Meter hohen natürlich Berg pumpen, es dort in einem tiefen Becken stauen und dann das Wasser durch mit Membranen verkleideten Leitungen wieder „herunterfallen“ lassen. Dabei entsteht ein Druck von fünf bis sechs Atmosphären. Eine Atmosphäre ist der Luftdruck, der auf Meeresspiegelhöhe herrscht. Dank diesen Drucks wird das Wasser durch Umkehrosmose vom Salz befreit.

Die spanische Regierung hat bis jetzt zwar noch keine Fördermittel für dieses – bei Experten immer noch umstrittene – Projekt freigegeben: „Aber es gehört zu den Ideen, die wir in Betracht ziehen“, heißt es im Umweltministerium. Weil Spanien derzeit die schlimmste Trockenheit der Geschichte erlebt und zudem Sommer wie Winter unter Energieengpässen leidet, ist jede Idee der Trinkwassergewinnung willkommen, die weniger Strom verbraucht als die bisherige Meerwasser-Entsalzung.

Aber auch alles, was den Verbrauch von Wasser effizienter macht. Denn das Land steht nach Ansicht von Experten kurz vor einer Dürre, verbraucht aber weiterhin im Durchschnitt 171 Liter Wasser pro Kopf und Tag. Im regenreichen Deutschland sind es rund 50 Liter weniger. Die 55 Millionen Urlauber, die jährlich auf die Iberische Halbinsel kommen, benötigen für ihr häufiges Duschen mehr als das Doppelte. Hinzukommen 276 Golfplätze, die bewässert werden müssen, weitere 150 sind geplant. „Jeder der Anlagen verbraucht soviel wie eine Kleinstadt“, warnt Martin Geiger vom World Wildlife Fund (WWF).

Vázquez Figueroa ist deswegen nicht der einzige, der derzeit gute Chancen hat, seine Ideen zu verwirklichen. „Es ist allgemein ein guter Moment für nordeuropäische auf Wassermanagement spezialisierte Firmen, hier zu starten, auch wenn noch viel Aufklärungsarbeit notwendig ist“, sagt Helmut Kantner von der in Spanien tätigen Firma Austrian Enviro Technologies aus eigenen Erfahrungen. Denn noch immer gäbe es bei neuen Siedlungsprojekte noch nicht einmal eine Trennung von Trink- und Brauchwasser. Viele Spanier trinken, sprengen ihren Garten und füllen ihren Swimmingpool aus ein und derselben Quelle.

An dem Missmanagement ist auch ein viel zu niedriger Wasserpreis schuld. Trotz einer historischen Wasserknappheit ist der Kubikmeter mit 90 Cents rund 80 Cents billiger als in Deutschland. Die Regionalregierungen planen nun mit Unterstützung aus Madrid und der Europäischen Union Milliardeninvestitionen in innovative Trinkwasseraufbereitungs-, Klär- und neue Bewässerungsanlagen. Die Kosten wollen sie über einen höheren Wasserpreis auf die Einwohner umlegen.

Aber Effizienz und neue Leitungen allein reichen nicht, wenn der Regen ausbleibt und das Grundwasser stetig sinkt. „Ohne neue Entsalzungsanlagen ist das Problem der Trink- und Brauchwasserknappheit bei wachsendem Bedarf nicht zu lösen“, sagt Ralf Wiesenberg, Energieexperte bei der Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers in Madrid. Ohne die existierenden 700 Meeresentsalzungsanlagen in Spanien wären viele Landstriche im Süden des Landes bereits verwüstet, vor allem die Inseln könnten ohne sie niemals die Ströme der Millionen Touristen bewältigen. Die technologische Herausforderung liegt darin, die Anlagen mit alternativer Energie zu betreiben – wie es auf der deutsch-spanischen Solarplattform in Almería getestet wird – oder wie Alberto Vázquez Figueroa neue Techniken zu entwickeln, die weniger Strom benötigen.

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